Reicht nicht, die GPL ist mir noch nicht restriktiv genug

Ich hätte gerne eine klarerer Formulierung und "Plugins" für die GPLv3, denn diese reicht mir als Autor nicht. Hier meine zwei Probleme:

Fall 1: Jemand nimmt den Code und entwickelt ihn weiter und schränkt die Lizenz indirekt ein.

Beispiel ist sveasoft.com. Sie verlangen Geld damit Du auf deren Seite downloaden darfst (das ist legitim), sie releasen Code (das ist legitim), geben den Source auch an Dich weiter (aber nicht an andere, das ist legitim).

Aber wenn Du den Source weitergeben willst (nicht den Code!) dann
  • invalidieren Sie Deinen Login und
  • erlauben Dir nie wieder Zugriff auf ihre Seiten.
Das ist nicht mehr legitim. Damit schränken sie direkt die GPL ein. Das ist als ob man den Leuten sagt: "Natürlich hast Du ein Recht zu atmen. Aber wenn Du andere Leute beatmest ohne dass diese für ihr Recht auf atmen zu bezahlen, dann sperren wir Dir die Luft." Klasse, das ist eine de-fakto Einschränkung des Rechts der GPL, da ich dieses nicht ausüben kann ohne etwas anderes zu verlieren.

Eine solche indirekte Einschränkung sollte in der GPLv3 explizit verboten sein. Ich gehe davon aus, diese Einschränkung ist in der GPLv2 bereits implizit verboten, aber die Argumentation dagegen ist derart schwierig, dass es bisher noch nie jemand auf diesem Planeten gemacht hat (die Fälle sind einfach viel zu esoterisch).

Fall 2: Jemand nimmt den Code und bietet einen Service auf der Basis des Codes an, ohne den Code weiterzugeben.

Es ist legitim wenn jemand GPL-Code nimmt und mit dem Einsatz des Codes Milliarden scheffelt ohne dass der Autor davon einen müden Cent sieht. Das ist die Natur der GPL, wer das nicht will soll kein GPL schreiben. Denn bei der GPL geht es um Freedom of Use, nicht um Neid von Autoren.

Was ich als illegitim ansehe ist, wenn dabei der aktuell verwendete GPL-Code nicht veröffentlicht wird. Rein technisch findet in solch einem Fall keine Weitergabe des Binary statt, weshalb auch der Code entsprechend GPL nicht weitergegeben werden muss. Der Output von GPL-Code fällt nicht unter die GPL, auch das ist die Natur der GPL.

Was ich gerne hätte wäre eine Möglichkeit, in diesem Fall eine Weitergabe des Sourcecodes an jeden Teilnehmer des Dienstes vorzuschreiben (nicht notwendiger an Dritte!). Sprich, jeder, der auf das System das mit GPL arbeitet zugreift, muss den vollständigen Source-Code downloaden können, so dass er den Dienst nachbauen kann, falls die Original-Firma bzw. der Original-Service stirbt.

Dies ist eine Notwendigkeit, um den Anwender zu schützen damit er in keine Erpressbare Lage kommt - genau das ist ja die Idee hinter der GPL, dem Anwender eine Nutzungsfreiheit einzuräumen.

Das ganze kann natürlich per LGPL etc. vereinfacht werden, so dass nur das Zentralsystem, aber nicht die Plugins etc. veröffentlich werden müssen usw. etc. pp. Auch infiziert die GPL hier natürlich nicht die Nutzdaten, die evtl. in der Datenbank liegen.

Es gibt da aber noch einen Sonderfall:

Da immer mehr Systeme herauskommen, in denen der Script-Code bereits zum großen Teil in der Datenbank liegen, kann es sein, dass evtl. bereits dieser Script-Code der GPL unterliegen muss. Sprich, man könnte einen PHP-Ableger schaffen, der dann die "Einschränkung" hat, dass man allen Scipt-Code, der unter diesem PHP-Ableger läuft, dann unter GPL veröffentlicht werden muss, wenn man diesen Script-Code im Internet etc. verwendet.

Mit der derzeitigen GPL ist das einfach nicht zu erreichen! Wenn man so etwas versucht schreibt man Code, der nicht zur GPL kompatibel ist (ähnliche Probleme hat man, wenn man versucht, GPL-Code mit Code aus anderen OSS-Lizenzen zu mixen, wobei allerdings hier meine Forderung die Rolle der GPL einnimmt und die GPL die Rolle der freizügigeren Lizenzen).

Nochmals: Niemand muss diesen PHP-Ableger nutzen, also infiziert die GPL da nichts. Wenn man aber diesen PHP-Ableger nutzen würde, müsste man diesem entsprechen, sprich die Scripte an denjenigen veröffentlichen, der auf die Webseiten surft.

Noch ein wichtiger Punkt (Fall 2, teilweise auch Fall 1):

Des weiteren hätte ich gerne einen "Timeout-Paragraphen". Sprich, wenn eine Firma sicherstellt, dass der Sourcecode nicht verloren gehen kann wenn sie out-of-business geht, darf sie den Code mit Verzögerung veröffentlichen. Der Code muss dann öffentlich werden, sobald das Produkt nicht mehr oder mit wesentlichen Änderungen angeboten wird, bzw. sobald eine bestimmte Zeit verstrichen ist (nicht mehr als 1 Jahr).

Die Idee dahinter ist, die GPL hat ein Problem, nämlich sich vom Mitbewerb abzuheben. Wenn ich fordere, dass im Service-Einsatz die Software offengelegt wird, haben die Firmen keine Möglichkeit mehr, sich von anderen Firmen zu profilieren. Das ist sehr hinderlich. Wenn die Firmen aber den Source erst mit 1 Jahr Verspätung veröffentlichen dürfen, dann haben sie einen irrsinnigen Entwicklungsvorsprung gegenüber den anderen Firmen.

Das mit dem Jahr ist kurz und lang zugleich, aber hier muss das Augenmerk auf den Anwender gerichtet werden! Dieser hat IMHO ein Recht darauf, den Source-Code zu bekommen. 1 Jahr Verspätung sollte aber erträglich sein. Gleichzeitig kommen die Firmen unter Druck, dass sie ihr Angebot laufend weiterentwickeln, denn nach 1 Jahr wird der Code ja veröffentlicht.

Das gäbe dann Firmen wie SVEASOFT eine rechtlicheinwandfrei* Grundlage. Sie müssen nicht einmal mehr den Code in ihrem Entwicklerforum weitergeben, bzw. können natürlich den Teilnehmern die Erlaubnis entziehen - aber eben nur für 1 Jahr! - den Sourcecode weiterzugeben. Ich finde, das wäre ein hervorragender Kompromiss!

Nochmals: All das muss in die GPL eingebaut werden, denn dieser "Timeout-Paragraph" für Derived-Work ist mit der GPL nicht vereinbar.
Und es muss sehr gut formuliert sein, denn der Timeout-Paragraph
darf Firmen, die Hardware mit GPL-Code erzeugen, nicht den Freibrief geben, die Firmware-Sourcen dann 1 Jahr zurückzuhalten. Ich sehe das nur wirklich für "Beta-Foren" a la SVEASOFT als legitim an sowie für Service-Provider, die einen Webservice (also keine Distribution im eigentlichen Sinne) betreiben der GPL einsetzt.

Die GPL ist nämlich keine Lizenz, die dazu dient, Firmen das Geldverdienen zu vermiesen, sondern lediglich eine Lizenz, die den Anwender vor proprietären Auswirkungen von Software schützen soll. Dies kann sie optimal dann, wenn Firmen angeregt werden, viel Geld mit "early Adaptors" zu verdienen, aber hinterher der Gemeinschaft alles offenlegen müssen.

Langer Rede kurzer Sinn:

Die GPL ist mir noch nicht restriktiv genug. Ich würde gerne permanente weitere Restriktionen in die GPL einbauen können, die dazu dienen, dass der Anwender, der also in den Nutzen der GPL-Software kommt, gegenüber dem Service-Provider noch weitere Rechte bekommt, nämlich den Code zu bekommen, dessen Service er gerade nutzt.

Diese Rechte müssen garantiert werden, damit man die GPL nicht unterlaufen kann.

All das finde ich legitim. Viele Service-Provider verdienen schließlich am bereitgestellten Service. Wenn der Anwender aber den Provider wechselt, kann es sein, dass er wichtige Serviceleistungen verliert, die er nur mit einem extremen Aufwand selber wieder herstellen kann, obwohl der Service-Provider diese nur aus GPL zusammengeschraubt hat. Wenn wir diese Möglichkeit nicht zulassen, können Firmen den GPL-Code nehmen, weiterentwickeln, nicht weitergeben, und letztendlich - wie im Fall 1 - indirekt die GPL aushebeln.

Letzteres ist nicht mehr legitim. Deshalb wäre ich dafür, dass die GPL die Möglichkeit hat, dass man ihr entsprechende Klauseln einfach hinzuklinken kann, so dass diese nicht mehr verschwinden können.

In der momentanen V3 kann man zwar solche Klauseln hinzuklinken, aber diese verschwinden wieder beliebig, da man immer auf die Original-GPL zurückkann. Und es macht wenig Sinn Software außerhalb der GPL zu bauen. Die GPL und diese Erweiterungen müssen "kompatibel" sein, so dass man GPL-Code und diese noch restriktivere Lizenzteile zusammenstecken kann, weiterentwickeln, und ggf. wieder trennen kann, wobei der restriktivere Part immer dort überlebt, was aus dem restriktiveren Part hervorging.

Leider bietet die neue GPL all das nicht, auf das ich meine Hoffnungen gesetzt hätte.

-Tino
PS: Das sind wirklich ganz konkrete Probleme die ich mit der GPL habe! Das Patentzeug usw. ist zwar ganz nett, aber das löst meine Probleme nicht.

PPS: Ich habe keine Zeit, das in irgendwelchen Foren zu vertreten. Es steht hier. Damit muss das reichen ;)