Ich bin Egoist. Deshalb bleibe ich bei der v2 und verdamme die v3.

Ich bin Egoist. Deshalb bleibe ich bei der v2 und verdamme die v3. Valentin Hilbig (mehr als 1000 Beiträge seit 8.1.00)

In der V2 steht klipp und klar drinnen, dass man alles, was notwendig ist, um das Programm wieder zum Laufen zu bekommen, dabei sein muss.

Wenn Du also ein GPLv2-System hast, das GPLv2-Software laufen lässt, und Du bist nicht in der Lage, diesen Source zu rekompilieren und auf dem System laufen zu lassen für das der Source ist, dann ist das ein Verstoß gegen die v2, denn offensichtlich fehlt ja was.

Wo ist also das Problem?

Das neue an der v3 ist, dass Du dann nicht, wie RedHat, die Signierschlüssel geheim halten kannst um ein "Originalsystem" von einem "Nichtoriginalsystem" zu unterscheiden.

Ja, mit der v2 ist es möglich, dann dafür zu sorgen, dass kommerzielle Programme nicht mehr auf einem "Nichtoriginalsystem" laufen, das den TaintCheck nicht besteht. Ein Hersteller kann also seine Software mit der von RedHat verdongeln.

Ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso das ein Problem darstellen soll! Was bitte verändert das am Gedanken des Open Source? Open Source will sich gar nicht um kommerzielle Programme scheren, es geht einzig und alleine darum, dass man die Software damit ist ausschließlich Open Source gemeint - frei nutzen kann. Kommerziellen Programme will Open Source gar nichts vorschreiben! Wenn diese nicht mit Open Source interagieren wollen dann dürfen sie draußen bleiben. Immer und jederzeit. Denn auch wenn Open Source so verwendet wird, bringt es Open Source weiter! (Oracle läuft nicht auf Open-Source-Rekompilat? Pech, dann wird es eben DB2, das läuft. Ich verlieren den Support wenn ich XXX auf Linux-Selfmade laufen lasse? Ja, wo ist das Problem?)

Mit der v3 geht das Modell nicht mehr. Gelinde gesagt finde ich das Mist. Ich werde als OS-Programmierer ebenfalls nicht auf die v3 wechseln, weil sie mir als Programmierer keinen Vorteil bringt. Die wirklichen Vorteile die ich mir von ihr erhofft habe, die werden von ihr nicht einmal adressiert!
> permalink.de/tino/gplv3
(Sorry, ist Englisch da es sich an alle auf diesem Planeten wendet.)

Einerseits schreien die Leute immer, weil sie von den Herstellern verlangen, dass diese sie gegen Würmer, Viren und Trojaner schützen, andererseits aber gehen sie auf die Barrikaden, wenn diese Hersteller die dafür notwendige Techniken einführen wollen. Entscheidet Euch bitte mal!

Was wollt ihr? Wollt ihr den Herstellern die Butter vom Brot wegnehmen, oder wollt ihr Freie Software?

Nochmals: Wenn ein Device GPL-Software einsetzt und zwar so verdongelt, dass man auf diesem die Software nicht austauschen kann, dann gehe ich davon aus, dass dies bereits gegen die v2 verstößt. Wenn ich mich irre, dann ist immer noch die Software frei, es wird also niemand daran gehindert, eine ähnliche Hardware auf den Markt zu bringen, die ohne Dongle lauffähig ist.

Ach, das geht nicht, weil M$ vielleicht die GPL-basierte XBox mit 200 EUR pro verkaufter Hardware sponsort? Dann verstehe ich wirklich nicht, wieso da jemand schreit! Wenn Microsoft schon bei jedem verkauften Gerät Geld verliert, dann haben die auch irgendwie das Recht darauf, es zu verdongeln, um sicherzustellen, dass keiner das Teil für andere Zwecke kauft und dabei Microsoft nur die Zeche zahlt.

Ja, rötet mich meinetwegen, aber ich bleibe dabei, ich finde so etwas fair. Und gerade die v3 würde das verhindern. Womit nachträglich irgendwie der FUD von Microsoft auch noch geadelt wird, so a la: "Microsoft hat es ja schon vorher gesagt."

Die Lizenz ist eine Lizenz und keine Bibel. Bei Fair Use geht es nicht nur um die Belange des Anwenders, sondern auch die des Herstellers. DRM sehe ich nicht als Gefahr für Open Source. Im Gegenteil. Sollte DRM sich tatsächlich so weit durchsetzen, dass Open Source einer Gefahr ausgesetzt ist, dann liegt das nicht an der Lizenz, sondern an uns, die es mit sich haben machen lassen. Das kann dann auch eine Lizenz nicht mehr verhindern.

Aber im Gegenteil, die Lizenz kann dafür sorgen, dass ich sie nicht mehr verwenden kann. Ich bin drauf und dran das "GPL v2 and higher" aus meinen Programmen hinauszueditieren, allerdings nimmt mir das die Möglichkeit, diese unter einer "v4" weiterverbreiten zu lassen, die hoffendlich erschaffen wird, sobald die Macher der v3 endlich wieder zur Vernunft gekommen sind. Also muss ich wohl "GPL v2 or higher except v3" reinschreiben?

Ja, ich kann Richard Stallman nicht verstehen, und ja, ich verstehe die Argumente von Linus Torvalds nur all zu gut, OBWOHL ich mich nicht so eingehend mit der Materie der GPLv3 befasst habe. Ich lese sie durch, ich verstehe sie, und ich kann ihr nicht mehr zustimmen.

Das Gute dabei ist, die v2 verschwindet ja nicht wenn die v3 rauskommt. Das Problem ist aber, die v3 ist mit der v2 nicht mehr kompatibel, in dem Sinne, dass ich automatisch v3 erhalte wenn ich v2-Code in v3 linke.

Ich empfehle also jedem, der die v3 einsetzt, genau zu überlegen, ob er nicht mit der v2 weiter leben kann. Ich jedenfalls brauche keinen dieser neuen Neid-Paragraphen gegen DRM oder Patente.

Was ich bräuchte wäre eine Wiederveröffentlichungspflicht für Application-Service-Provider, die die Anwendung ihren Kunden nur als ASP zur Verfügung stellen, ohne dass der Kunde diese Applikation jemals "Distributed" bekommt - er hat nur den Output. Geht der ASP offline verliert so der Kunde alle Möglichkeit, die Arbeit die er via ASP gemacht hat weiterzunutzen, und er verliert die vielleicht lieb gewonnene aus Open-Source-Software zusammengestrickte Applikation, die der ASP stark verändert hat, aber niemals veröffentlichen musste, da es keinerlei Verbreitung der Software gab (sie lief immer nur und ausnahmslos auf den Rechnern des ASP).

Was ich bräuchte wäre eine Grace-Periode für die Veröffentlichung des Quellcodes zu einem Binarie. Warum, so frage ich, werden denn die Quellcodes der Linux-Appliances von Firmen immer erst so spät veröffentlicht? Klar, damit der Mitbewerb nicht ganz so tief in die Karten gucken kann. Genau das ist IMHO sehr wichtig! Dass nämlich die Änderungen am Quellcode erst nach einiger Zeit, sagen wir mal 12 Monaten, veröffentlicht werden muss.

Ich glaube, anscheinend sieht niemand außer mir das Potential in diesen zwei Punkten, die die OS-Entwicklung dramatisch "booten" könnten. Stellen wir uns einen ASP vor. Dieser entwickelt etwas auf OS-Basis. Er ist gezwungen, nach 12 Monaten den Sourcecode seiner Anwendung freizugeben. Danach kann jeder Dödel das machen, was der ASP gemacht hat.

Damit er also weiterhin im Geschäft bleibt muss er die Software ständig weiterentwickeln. Er muss nach 12 Monaten so viel verändert haben, dass der alte Code eben nicht besonders viel weiterhilft, wenn es darum geht, dem ASP Konkurrenz zu machen. Geht der ASP aber "out of business", dann wird der Code nach 12 Monaten automatisch frei (es ist so in der Lizenz festgelegt dass man nur dann später veröffentlichen darf, wenn das sichergestellt ist, anderenfalls muss man sofort veröffentlichen). Die geprellten Kunden müssen also nur etwas warten, und schwupps ist ein anderer da, der für sie gerne die Leistung weiter fortführt. Ja, und damit gutes Geld verdienst. WARUM NICHT?

Aber das verhindert alles die v3. Aus Neid, Geiz und falsch verstandenem Missionarentum.

-Tino
PS: Ja, man kann den DRM-Paragraphen rauslassen. Aber das ist eine Mildmädchenrechnung, denn jederzeit kann jemand diese Paragraphen hinzudichten. Dann bin ich der Entwickler des Pakets, evtl. am Ende der Dumme, weil ich mit dem, was ich aus der Taufe hub, anschließend Probleme beim Einsatz habe, weil irgendwer eine kleine gute Idee implementierte, mir dabei aber das DRM-Verbot unterschob. Ja, ich sehe das aus meinem egoistischen Blickwinkel. Ich bin Egoist. Deshalb entwickle ich unter der GPLv2! Wäre ich kein Egoist, ich würde BSD-Lizenz nehmen! Ich will eine noch egoistischere Lizenz als die v2, eine, die jeden, der es verändert, auch ohne Weitergabe, zwingt, die veränderten Sourcen rauszurücken sobald ersichtlich wird, dass er veränderte Sourcen verwendet!