IPv6
Ich habe diesen Text irgendwann im Jahr 2006 geschrieben. Das Problem ist: Seitdem hat sich nix getan. Es ist eher rückwärts gegangen, denn einstmals funktionierende IPv6-Strukturen (die nur für die Übergangszeit geplant waren) wurden zurückgebaut und funktionieren nicht mehr.
Fazit: Entweder ist der Übergang zu IPv6 erfolgt und spurlos an mir vorbeigegangen ohne dass ich es merkte und meine Maschinen IPv6 bekamen, oder
Ich frage ständig nach IPv6 bei ISPs. Bei Hostern, Standleitungsbetreibern und DSL-Anbietern. Aber die Aussage ist "kommt irgendwann, Nachfrage noch zu gering". Jeder Bauern ist so schlau dass die Leute bei ihm nur dann Kartoffeln kaufen wenn er Kartoffeln im Angebot hat. Bei ISPs ticken die Hirne offensichtlich anders. Die ISPs haben meist noch nicht einmal ein zugeteiltes IPv6-Netz aus dem sie IPs vergeben könnten! Daran hat sich in den letzten 5 Jahren(!) so gut wie nichts geändert, obwohl das DeCIX inzwischen IPv6 routet. 2008-03-16
IPv6 jetzt nachfragen!
- www.heise.de/newsticker/meldung/72388 Ratlosigkeit zu IPv6
- de.wikipedia.org/wiki/6to4 IPv6 für IPv4-Geräte
- www.sixxs.net Erlaubt Tunnel mit /48
- 6bone.informatik.uni-leipzig.de/ipv6/stats/stats.php3
Warum IPv6
Die IPv4-Adressen reichen nicht aus, um alle Menschen mit IP-Adressen zu versorgen. IPv6 hat nur ungefähr 1.5*2^31 Adressen zur Vergabe zur Verfügung, tatsächlich dürften es nur um die 2^31 sein die man wirklich nutzen kann. Somit haben wir gerade 2 Milliarden IP-Adressen für über 6 Milliarden Menschen. Wenn die Online-Connectivität so zunimmt wie in den letzten Jahren sind bald mehr als 2 Milliarden Devices mit einer eigenen offiziellen IP unterwegs - uns gehen dann die Adressen aus.Warum nicht IPv6
Die Gründe dafür sind leider extrem viele. IPv6 bedeutet Aufwand, den Provider leider scheuen. Im DeCIX z. B. verfügen nur die wenigsten Netze über IPv6, und das obwohl das DeCIX solche Ports für IPv6-Experimentalzwecke sogar kostenlos zur Verfügung stellt!- Der Provider meiner Standleitung ist im DeCIX nicht mit IPv6 vertreten. Leider kann ich mir einen Provider, der es tut, nicht leisten.
- Meine DSL-Anschlüsse verfügen über keinen IPv6-Zugang. Leider habe ich keinen DSL-Provider gefunden, der neben IPv4 auch einen IPv6-Zugang ermöglicht. Also selbst wenn ich dafür zahlen wollen würde werde ich nicht fündig. (Hinweis: Ich kenne die IPv6-Testzugänge via DSL. Bisher haben die allerdings Einschränkungen die sie vollkommen unbrauchbar machen. Ich brauche einen uneingeschränkten IPv6-Zugang, das bedeutet grundsätzlich, er muss auch kommerziell genutzt werden können.)
- Informiert man sich über IPv6 stellt man fest, dass essentielle Informationen und Portale bereits seit Jahren nicht mehr verfügbar sind. Beispielsweise sind alle weiterführenden Links auf Seite www.kfu.com/~nsayer/6to4/noipv4.html nicht mehr existent. Das ist nicht gerade vertrauenserweckend.
- Wenn man also heute viel Arbeit in sein IPv6-Setup steckt kann das morgen schon bedeuten, dass man "Offline" ist.
- Provider blockieren aus opportunen Gründen die modernen Methoden mit denen man ein IPv6-Setup ermöglichen könnte. Das ist verständlich, denn die von der Bundesregierung duerchgesetzte Internetüberwachung macht diese Verfahren unmöglich, wären sie doch zum Teil geeignet, die Überwachung zu unterlaufen. Dieser Gefahr kann sich ein Provider heutzutage nicht mehr aussetzen. Der Preis für IPv6 ist durch einfache Verordnung von "aufwendig und nicht rentabel" auf "zu aufwendig und mit Sicherheit nicht mehr bezahlbar" bis hin "zu aufwendig und juristisch gefährlich" gestiegen.
Wie doch IPv6
Es muss der politische Wille der Weg bereitet werden, dass jedem der eine IPv4-Adresse bekommt ebenso eine IPv6-Adresse bekommt indem Providern empfohlen wird, 6to4 zu betreiben. Dieser Betrieb muss so ausgelegt sein, dass der Einstieg eines Providers in diese Technologie gefördert wird. Dazu gehört insbesondere das Ausklammern dieser Technik von der Internetüberwachung. Das wird nicht gemacht. Somit wird IPv6 hierzulande, und damit meine ich Europa, sich nicht durchsetzen. Es wird erst kommen, wenn Europa auf einen fahrenden Zug aufspringen muss, d. h. wenn Europa schlicht und ergreifend keine IPv4-Adressen mehr bekommen kann. Das ist sehr traurig.Wie lange noch?
Auf diese Frage gibt es keine einheitliche und schnelle Antwort. Es gibt Prognosen. Eine Gute Quelle davon sind die RIPE-Meetings:- Man sucht sich das letzte RIPE-Meeting aus dem Archiv
- Geht in die Präsentationen
- Und sucht sich eine die das jeweilige Thema behandelt, z. B. diese:
- Nicht nur die IP-Adressen sind ein Pool der uns ausgeht, auch die AS-Nummern (diese werden für's Routing benötigt) sind stark begrenzt.
- Die Annahmen sind stark von historischen Vorkommnissen geprägt. Sollte sich etwas ereignen das nicht vorhersehbar war, z. B. ein starker Anstieg von der Notwendigkeit von IPv4-Adressen, dann ist das nicht im Modell verarbeitet.
- Auch gehen die Modelle von "Hamstern" aus, d. h. niemand ist so nett und gibt das Resource, das er einmal hat, wieder her, insebsondere da es ja immer knapper wird.
- Die AS-Nummern gehen uns wohl um 2010 aus.
- Die IPv4-Adressen halten ungefähr bis 2014, wobei der "IANA Pool", sprich die weltweit freien Adressen, gegen 2012 zuendegehen.
- IPv4 sprechende Consumer-Geräte, die dieses Jahr angeschafft werden, sind im Jahr 2012 mit ziemlicher Sicherheit noch aktiv. Wahrscheinlich erreichen viele Geräte sogar das Jahr 2014!
- Netzwerkequippment ist teils über 10 Jahre im Einsatz. Allerdings sind fast alle Router die im Profi-Netzwerksektor verkauft werden IPv6 fähig. Geräte die BGP4 sprechen und somit ab 2010 sowieso geupdatet werden müssen, stellen keinerlei Problem dar. Schlimmer sind all die vielen "NAT-SOHO-Router" von denen einige Anwender überhaupt nicht wissen, dass sie sie besitzen.
- Der Zeitraum von 2012 ab, wenn also der IANA-Pool "trockenliegt", bis zum weltweiten Auslaufen von Adressen um 2014 is zu gering für ein Gegensteuern. Die Industrie benötigt alleine schon über 2 Jahre um mit der geänderten Situation fertig zu werden.
Fazit
Die IPv4-Adressen gehen uns aus. Die Frage ist nicht ob, sondern wann, und die Antwort auf diese Frage ist sogar "schon sehr bald". Diese Adressknappheit ist schlimmer als die Rohölproblematik, die man mit zusätzlichen Kosten in den Griff bekommen kann - es ist möglich, "artifiziell" Benzin für die Verbrennung in Benzinmotoren herzustellen, mit den IPv4-Adressen geht das aber so nicht! Wer jetzt meint, es wäre schlimmer wenn uns das Rohöl ausgeht als wenn uns die IPs ausgehen, der verkennt die Lage: Der Mensch ist modern. Dazu gehört die Mobilität wie auch das Online-Sein. Während wir die Mobilität aber einschränken können ist die Datenkommunikation dazu gegenläufig. Wir können Mobilität durch Vernetzung kompensieren, z. B. indem wir Remote-Arbeitsplätze schaffen. Wir können aber gegen die Vernetzung keine erhöhte Mobilität stellen. Ebensowenig können wir auf die Vernetzung verzichten, es ist inzwischen Konsummotor, wir bestellen im Internet und wir kommunizieren über das Internet (VoIP). Und an der Beseitigung der Probleme der Mobilität arbeiten wir schon seit Jahren und haben auch Konzepte, auch wenn wir sie nur halbherzig umsetzen. Aber an der Tatsache dass uns die IPv4-Adressen ausgehen wird nicht einmal gearbeitet. Hier werden erreichte Ziele bereits wieder eingestampft, einfach weil die Politik die Konsequenz des eigenen Handelns nicht überdacht hat. Deshalb meine Prognose: Wenn nicht ab 2010, und zwar spätestens, begonnen wird, massiv IPv6 zu unterstützen, haben wir ein Problem. Der Zeitplan ist also:- 2006: Ersten Einstieg in IPv6 überdenken, für Nerds und Freaks wie mich.
- 2008: Die Provider müssen deutlich sehen, dass hier eine Notwendigkeit auf sie zukommt.
- 2010: Das Deployment an den Privatkunden beginnt
- 2012: Das Deployment an den Privatkunden setzt sich durch
- 2014: IPv6 und IPv4 liegen gleichberechtigt nebeneinander
- 2016: IPv4 spielt keine wesentliche Rolle mehr