KnowHow -- Handy

  • handy-konfigurator.com/ Konfiguriert das Handy für die Datenverbindung. Achtung! Bei einem Tarif-Login immer GPRS oder UMTS wählen. CSD wäre die Option für kostenpflichtiges Internet!

GPRS

Als naiver Mensch hatte ich angenommen, dass da Ingenieure bei der Konstruktion am Werk waren. Habe mich aber geirrt, es waren offensichtlich gestörte Stümper. Wie ich das meine?

Also, gehen wir man von dem einfachen Fall aus, ich habe eine Internet-Flatrate auf meinem Handy. Ich gehe von diesem Fall aus, weil ich genau diesen Fall habe. Vermutlich habe nicht nur ich diesen Fall, sondern noch einige andere tausend Leute die, so wie ich, Internet auf dem Handy haben.

Deshalb gehe ich mal davon aus, dieser Fall ist nicht besonders besonders, also so ziemlich das normalste der Welt.

Gehen wir jetzt auch noch davon aus, das Handy hat BlueTooth. Ja, soll's wirklich geben, gell, echt revolutionär.

Und nun schauen wir mal:

Das Handy ist, wie der Name schon sagt, handy. Also ich habe es schon an Leute zum telefonieren ausgeliehen, also richtig, ihnen einfach so in die Hand gedrückt, damit sie mal schnell wegtelefonieren können. Ist auch nicht teuer, das Handy hat eine Flatrate, muss man wissen.

Und ratet mal was diese Leute tun können: Die tippen, wie abartig, ohne etwas über mein Handy zu wissen, das muss man sich einfach mal vorstellen, die Rufnummer ein, ja, wirklich, das tun sie, und dann führen sie, so unglaublich das klingen mag, ein Telefonat! Jawohl! Ist das nicht irre? Und das alles geht, ohne dass sie auch nur wissen, über welchen Provider das gerade läuft. Sensationell!

Huh?

Kommen einem diese Superlative nicht irgendwie seltsam vor? Richtig, sie sind vollkommen unangebracht. Denn das, was ich da schreibe ist das allernatürlichste der Welt. Ich halte es sogar noch für ziemlich kompliziert, denn inzwischen haben die Handy-Designer die Tastatur so umgemodelt, dass man manchmal nur noch mit unmöglichen Verrenkungen die Rufnummer eingeben kann. Aber sei's drum, der Vorgang dient nur zur Verdeutlichung.

Denn jetzt kommt der krasse Gegensatz.

Wenn ich meinem Kollegen mein Handy leihe, damit er damit mal schnell ins Internet gehen kann, dann ist das nämlich eine kleine Unmöglicherkeit. Nicht nur, dass er wissen muss, bei welchem Provider ich gerade bin, oh nein, er muss auch noch meine Tarifoption und sonstige Einstellungen wissen, damit er auch die Internet-Flatrate nutzen kann (was beim telefonieren ganz automatisch klappt), und nicht evtl. 50 Minuten für 100 EUR die Minute (das ist schon einigen Leuten passiert!).

Also nochmals, was der Kollege tun muss:

  • Er muss in die Profileinstellung meines Handys gehen.
  • Er muss nachvollziehen, welches Profil ich für die Einwahl nutze, sofern ich die Profile nicht bis auf eines gelöscht habe.
  • Er muss die Einstellungen, darunter das Passwort (welches nur verdeckt angezeigt wird!) aus den Einstellungen ermitteln.
  • Danach muss er diesen ganzen Quatsch auf seinen PC, PDA oder welches Device auch immer, übertragen.
  • Dann kann er über mein Handy mit meinen Einstellungen via BlueTooth ins Internet.
Ja sind die denn des Wahnsinns?

(Dass ein Computer via BlueTooth über das Handy spricht ist nichts anderes, als dass ein Mensch über die haptische und die Luft-Schnittstelle über das Handy spricht. Der Mensch muss nur das Protokoll meistern, also die Haptik und die Gesprächsführung. Warum muss der Computer bitte auch nur ein Bit mehr tun als das Protokoll und das Gespräch zu führen?)

Dazu kommt, das hat noch einiges an Nachteilen:

  • Die Internet-Einwahl kann immer nur eine einzige Anwendung verwenden. Wenn man also z. B. gerade Google-Maps verwendet kann man nicht im Internet surfen.
  • Die Einstellungen müssen auf alle Geräte übertragen werden, egal wie klein und einfach sie sind, sofern sie über BlueTooth nur das Internet nutzen wollen.
  • Die Einstellungen sind alles andere als logisch oder einfach zu merken. Im Gegenteil, sie sind besonders kryptisch und es reicht ein kleiner Vertippser aus, um aus einer Flatrate einen Kostenmoloch zu machen.
Die Lösung

Die Lösung wäre ein Handy, das ein wLAN-Ad-Hoc-Netzwerk aufbauen könnte. Das also auf der einen Seite GPRS spricht, und auf der anderen Seite wLAN mit DHCP. Und wo ist dann da der Blauzahn? Tja, er fehlt offensichtlich.

Ich habe ein Linux-Handy mit GPRS-Möglichkeit (mit BlueTooth aber ohne wLAN). Warum sich das gegenüber dem PC nicht als Bluetooth basiertes Ethernetdevice ausgibt und so die Protokollumsetzung durchführt, das ist mir vollkommen schleierhaft. Vor allem ist mir auch vollkommen unklar, warum es nicht die Linux-Fähigkeiten nutzt um als Router zu funktionieren. Nein, stattdessen wird GPRS im PPP-Stack des Browsers(!) implementiert.

Würde ich darüber den Kopf schütteln müsste ich angst haben, mir das Genick zu brechen, so heftig würde das ausfallen. Deshalb denke ich darüber lieber überhaupt nicht weiter nach.

Ach ja:

Ich habe noch einen PDA mit BlueTooth und wLAN! Aber da auf dem Windows Mobile drauf ist, kann der ebenfalls nicht als wLAN-Router funktionieren. Wer es könnte (einfach, indem man ihn einschaltet) wäre der OLPC, aber den wird es ja in Europa wohl nicht geben. Armes Entwicklungsland Deutschland!

-Tino, 2007-09-24

Kleiner Update:

Mein "neuer" UMTS-Prügel (mit Bluetooth und wLAN) ist sogar in der Lage, ein Ad-Hoc-wLAN-Netzwerk aufzubauen. Trotzdem bietet er keinen Übergang vom wLAN ins Internet! Irgendwie soll es zwar möglich sein, per wLAN das Modem im Handy anzusprechen, aber wie das geht habe ich bisher nicht herausfinden können.

Buetooth ist noch toller, denn damit stürzt das Handy nach einigen Stunden(!) ab (Akku raus/rein wird notwendig, außerdem zieht solch eine Aktion Vista mit einem BlueScreen nach unten).

Bleibt also nur der Draht (sprich USB), da klappt es (tagelang), aber man muss eben den AP im PC konfigurieren (und während man so online ist ist weder telefonieren noch Internet im Handy selber möglich).

Wer sich fragt: Das Handy ist ein Nokia N51. Nokia hat es geschaft, eine so grottige Betriebssystemergonomie zu entwickeln, dass es selbst jemandem die Haare grau werden und zu Berge stehen lässt, der ein Motorola A780 gewohnt ist. (Ja, Motorola, das sind die Leute, die es schaffen, selbst Linux im Handy unbedienbar zu machen.)

Beispiel? SMS und MMS gehen bei Nokia in vollkommen verschiedene Editoren, die nicht einmal miteinander Daten austauschen können!

Beispiel? Wo ist der Countdown? (War in jedem meiner Siemens-Handys über einen einzigen Tastendruck abrufbar.)

Beispiel? Um einen Termin im Kalender einzutragen muss man über 90 Sekdunen(!) rumklicken, sonst klingelt da nix! (Siemens: nach ca. 10 sekunden war der Termin drinnen)

Beispiel? Um eine Adresse einem Kontakt einzugeben, muss man sich durch ein schier nicht enden wollendes Menü durchhangeln, über das man Details hinzufügt (Im Siemens ging das während des Autofahrens ohne dass ich dazu überhaupt auf's Handy gucken musste. Beim Motorola braucht man 2 Hände die das Handy bedienen und eine dritte Hand, die den Stift bedient. Trotzdem ist es dank Touchscreen beim A780 leichter und schneller.)

Beispiel? Ich habe es bisher nicht hingekriegt, ohne mir Schmerzen(!) zuzufügen, die Sprachnotiz auf meinem Nokia zu verwenden. Das kann selbst Motorola besser (wobei die Funktion sich aber zu 99,9% der Zeit von selber vollkommen nutzlos aktiviert). Hier zeigte aber auch Siemens die Innovationsfreude, denn je neuer ein Modell wurde desto schlechter funktionierte das mit der Sprachnotiz. (Am Besten war es auf dem Handy, das nach 10 Sprachnotizen schon voll war, also die Funktion gar nicht sinnvoll nutzbar war.)

Nicht fragen, Nokia und Ergonomie vertragen sich definitiv nicht. Siemens gibt es nimmer. Und Motorola baut keine (eigenen) Linux-Handys mehr. Dazu kommt noch, dass Nokia die Handys mit Symbiansigned total verkrüppelt, so dass man das Potential der Hardware nicht einmal ansatzweise ausnutzen kann (ein N51 hat in jeder Hinsicht mehr Leistung als meine 18000 DM teure Unix-Workstation von 1989!). Hätte ich das Nokia nicht anstelle eines (etwa gleichteuren und unflexibleren) UMTS-Modems gekauft, wäre ich zutiefst enttäuscht worden (so aber stört mich der ganzen Office-Müll nicht, der nur das Handy verstopft).

Nerven tun mich nur die ständigen Softwareabstürze (bzw. Teilabstürze) vom Nokia-Betriebssystems. Obwohl man so hört, dass das wohl noch Gold ist gegenüber anderen Handymarken. Das wundert mich allerdings. Mein Motorola A780 läuft - wohl wegen Linux - in etwa genaus stabil wie im letzten Jahrtausend die Siemens-Handys, die so gut wie nie abstürzten (oder lag das nur an den kurzen Akkulaufzeiten?). Jedenfalls zeigt in meinen Augen Nokia ein sehr schlechtes bis katastrophales Bild, wobei ich nicht davon ausgehe, dass ich jetzt von Motorola A780 bzw. Siemens-Handys besonders "verwöhnt" bin, denn auch Siemens-Handys und A780 stürzen ab und zu ab, was mir schon zu viel ist.

Zur Klarheit: Hardware, die häufiger abstürzt als alle 1-2 Jahre, ist in meinen Augen instabil, also schlicht defekt. Das ist keine überzogene Forderung, denn ich habe 10 Server laufen, und viele davon sind mir schon seit Jahren nicht mehr abgestürzt (Stromverlust ist kein Absturz)! Siemens und Motorola sind oder waren in Sachen Stabilität des Handys gerade noch so am Rande des erträglichen, die Instabilität der Nokia-Plattform (dem "Marktführer") hat mich deshalb arg geschockt.

-Tino, 2008-11-14