Ikariam
Ikariam hat laut www.deutschercomputerspielpreis.de den Preis "Beste Browsergame 2009" gewonnen, in sofern muss es ja irgendwie einen Blick wert sein. Oder nicht? Wir werden sehen.- Wertung: Gerade so erträglich.
- Gewaltfrei: Nein; Ikariam ist auf Angriff optimiert, eine sinnvolle Zusammenarbeit bei der Verteidigung ist aufgrund der Pushing-Regel streng verboten.
- Typ: MMOBG (Massiv Multiplayer Online Browser Game)
- Grafik: ok
- Steuerung: Zum Teil nicht besonders intuitiv
- Spielspaß: Am Anfang ganz nett, nach 2 Monaten verlor ich urplötzlich die Lust da dann die Perspektiven aufhören.
- Betriebssystem: Browser mit JavaScript, Handy ist nur unter Aufgabe des Datenschutzes erlaubt.
- Onlinezeit/Tag: (Onlinezeit ist nicht Spielzeit!) 5 Minuten: nicht sinnvoll spielbar; 4-5h: mäßig; über 8h:spielbar; 16h:empfehlenswert
Du bist zwar nicht alleine, stehst aber leider alleine. So ist Ikariam.
Zusammenfassung:
Ikariam gehört zu den gerade noch erträglichen Browser-Spielen. Wobei die Messlatte bei mir inwischen extrem niedrig gehängt ist.
Viele Flash-Spiele bieten eindeutig einen wesentlich höheren Spielspaß. Darunter solche wie dieser "Vogelschiss" (keine Ahnung, muss ich erst einmal raussuchen) oder Fancy Pants. Allerdings spielt man diese auch nicht über Monate, sondern eher nur ein paar Tage, dann werden sie langweilig.
Leider werden die Browser-Games ebenfalls langweilig, weil sich entweder nix tut, oder man ständig von anderen Spielern entnervt wird, oder einfach ständig zu viel Zeit fressen. Da sie das tun spielt man lieber 3D-Online-Games wie Fiesta. Die bieten irgendwie mehr Spaß.
Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt: Ein gutes Browser-Game das man über Jahre spielen kann, darf nicht mehr als 5 Minuten(!) Zeit pro Tag beanspruchen, und dabei darf es auch keine Überraschungen geben. Alternativ sehe ich dazu 2h pro Woche, wobei diese an einem beliebigen Tag erbracht werden, und zwar unregelmäßig. Das bedeutet auch, dass man dann keine unliebsamen Überraschungen (wie einen entgangenen Angriff) erleben darf.
Sofern ein Browser-Game ein Eingreifen erfordert (z. B. wegen Angriff), muss es das per eMail mitteilen, und genug Reaktionszeit (mindestens 36h) lassen.
All das ist bei Ikariam nicht so. Aber evtl. lege ich die Messlatte immer noch viel zu hoch an?
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Auffälligkeiten und Unlogik
- Die Steuerung könnte intuitiver sein. Zwar ist das Interface einigermaßen gut gelungen (die Sachen hüpfen nur wenig durch die Gegend, das Bildlayout ist relativ statisch gelungen), aber einige Dinge, wie z. B. wie man zum Holz kommt oder Einheiten verschiebt, ist für den Anfänger alles andere als intuitiv.
- Je mehr Schiffe man baut, desto teurer werden die Schiffe (Händler). Hätte so etwas auch nur den geringsten Sinn hätte Henry Ford niemals per Fließband die Zeiten der Massenproduktion einleiten können. Tatsache ist, je mehr gleiche Schiffe man produziert desto günstiger(!) werden diese. Hier ist irgendeinem wildgewordenen Programmierer offensichtlich die Inspiration ausgegangen. (Apropos wild, bekanntlich gilt ja: Alles ist gut so lange Du wild bist.) Kleiner Tipp: Hat man mehr Schiffe sollte der Hafen schnell zu klein werden, und das Ausbauen könnte dann kosten. Nun isses für eine sinnvolle Lösung aber leider zu spät.
- Ikariam hat ein gegenüber Die-Stämme noch verdrehtere Ansicht, was Premium ist, und bevorzugt, so wie es aussieht, massiv Spieler die viel Geld ausgeben gegenüber Spielern, die das nicht tun. D. h. man kann sich wahrscheinlich den Spielerfolg erkaufen. Das hat weniger mit Können und Spielen zu tun als mit Korruption und Betrug. Nichts gegen Gewinnabsicht bei Firmen, aber muss es derart überdreist sein? Insbesondere dass Spieler sich die Zusammensetzung der angreifenden Flotte mit Geld erkaufen müssen wird wohl zu der Einstufung "Wucher" bzw. "Erpressung" führen, getreu dem Motto: Sind sie einmal angefixt kann man die Kiddies ungeniert abkassieren. Merke: Ein Online-Browser-Game ist nicht kostenlos, wenn man für das Spiel unbedingt benötigte Features kaufen muss. Es ist egal, ob dies erst sehr spät im Spiel Auswirkungen hat oder sofort. Aufrichtige Firmen machen ihre Kosten für das Programm transparent und kostenpflichtig (siehe World of Warcraft).
- Mit "Premium" hat das alles übrigens überhaupt nichts zu tun. Ein kostenloser Schluck Wasser aus dem Wasserspender löscht den Durst genauso gut wie (oder sogar besser als) Perrier, nur britzelt es eben nicht so teuer. Das ist eben der Unterschied zu Premium, es ist an sich wirklich nicht notwendig, aber viel cooler wenn man es sich eben doch leisten kann. Stattdessen aber zu sorgen dass die Leute verdursten die sich kein Perrier leisten wollen wäre schlicht Erpressung und hat eben nichts mit Premium zu tun. Ein Spiel, das man es kostenlos nicht gleichwertig spielen kann wie wenn man viel Geld dafür ausgibt halte ich für Unlauter, in diesem Fall sollten Kinder davor geschützt werden durch die kostenlose Spielvariante in die Kostenfalle zu tappen (d. h. FSK-Einstufung auf 18). Ich halte außerdem 50 EUR/Jahr für ein Browserspiel für extrem überteuert (5 EUR/Jahr halte ich noch für extrem teuer!), egal wie gut es ist. Nebenbei: Meine Schmerzgrenze für typische Spiele aus der Spielwarenabteilung (z. B. so Teile aus dem Deutschen Spielepreis) liegt bei 25 EUR (die Pein fängt ab 20 EUR an), außer sie sind handfest bekannt (Schach, Scabble, Go). Neue Spiele müssen außerdem schnell und einfach spielbar sein. Verglichen mit den Preisen die die Online-Games anscheinend so verlangen (sie stellen nichts einmal etwas materielles her) bedeutet das, dass man sie keine 6 Monate lang spielen könnte, dann wäre meine Schmerzgrenze überschritten. Es gibt eine gute Phrase dafür: "Rachen nicht voll kriegen." bzw. noch deutlicher "Arsch offen".
Dinge die brauchbar gelöst sind
- Die Forschung funktioniert auch dann weiter wenn man ihr keinen explizten Auftrag erteilt. Das wurde endlich mal richtig gelöst. Leider relativiert sich dieser Lichtblick wenn man die Bauschlange betrachtet, die es für die nichtzahlenden Spieler nicht gibt. (Ich nenne so etwas eine bodenlose Frechheit des Spieleherstellers.) Nochmals: Premium darf cooler sein, kann geiler sein, aber darf auf keinen Fall nichtzahlende Spieler benachteiligen (und das geschieht hier ziemlich deutlich). Insbesondere trifft die asoziale und amoralische Haltung des Herstellers (Hartz4ler zu benachteiligen ist asozial. Punkt. Und hier geht es sogar um die Kinder der Hartz4ler, und das ist dann auch noch besonders amoralisch) hier z. B. die Kinder, deren Eltern sich zuhause eben keinen PC leisten können, die somit auf den Schulcomputer angewiesen sind um mitspielen zu können und entsprechend seltener Online kommen. (Wie sollen Leute, die 20 EUR für die Schulbücher ihrer Kinder nicht aufbringen können, jemals die 50 EUR für das Premium-Feature berappen, damit ihre Kinder nicht in Ikariam aufgrund der selteneren Online-seins benachteiligt werden?)
- Beim Kampf, wenn viele Einheiten angreifen, "desertieren" die eigenen Einheiten eine Weile und kehren dann zurück. Das vermeidet Totalverluste. Allerdings scheint mir das Feature wenig überzeugend, denn 60% bis 80% der Einheiten gehen trotzdem noch drauf wenn überlegene Spieler angreifen.
- Der Kampf dauert länger, so dass man wenigstens eine Chance hat, diesen mitzubekommen. Leider dauert er immer noch viel zu kurz um etwas davon mitzubekommen, wenn man nur einmal am Tag regelmäßig "On" sein kann, wie es bei 99% der Spieler der Fall sein sollte.