Meinung

Satire

Satirelose Zyniker an der Macht

Währet den Anfängen. Politiker sind ganz besondere Menschen, man kann sie nämlich nicht so einfach in ihrer Würde angreifen wie andere Menschen. Sie sind Menschen des Zeitgeschehens und dazu auch noch wichtige Persönlichkeiten. Man darf mit ihnen satirisch umgehen. Man darf ihnen auch andere Worte in den Mund legen wie z. B. in folgendem Bild:

Beck versteht keinen Spaß und dieses Bild anscheinend falsch

Aus diesem Grunde ist Satire hierzulande auch grundgesetzlich geschützt. Was aber ist passiert? Das:

SPD-Chef Beck gegen "Titanic": Rechtsstreit um Titelfoto (jetzt.de)

Dazu muss man wissen, dass das Titelfoto laut Titanic in einer Zeit gemacht wurde, da lebte der Bär noch. Es sollte also den Tierschutz satirisch aufbereiten. Nachdem der Bär abgeknallt wurde war die Sache natürlich nicht minder satirisch.

Ich persönlich kann an dem Titel überhaupt nichts böses erkennen:

  • Erstens hätte ich Beck nicht erkannt. Das liegt aber daran, da ich Fernsehen, Tageszeitung und sonstige Medien nicht mehr ertrage nehme ich Politikerbilder nicht mehr wahr.
  • Zweitens hätte ich einen wohlgenährten Bayern darauf gesehen und mir gedacht: "Da ist jemand froh darüber dass der Bär abgeknallt wurde."
Sorry, nennt mich meinetwegen naiv, aber genau das entnehme ich als unvoreingenommener Betrachter aus diesem Bild!

Anders kann man diesen Text nicht verstehen. Oder sieht der dort lachende Mensch irgendwie wie eine Bestie aus? Nein, natürlich nicht! Also sind die Worte "Knallt die Bestie ab" eindeutig Sprechblasen die aus seinem Mund purzeln! Was er lachend sagt, womit er - in meinen Augen - dann natürlich wiederum selber zur Bestie wird. Aber genau das karikiert genau das zynische Verhältnis, das die Bayerischen Politiker zu diesem Bären zeigten.

Klar weiß ich, dass Titanic ein Satiremagazin ist. Und deshalb hätte ich es natürlich als satirischen Beitrag auf die Ermordung des Bärs bezogen und nicht als "Tatsachenbehauptung" dass dieser abgebildete Mensch das je gesagt hat.

Wunderbar! So muss Satire aussehen, finde ich. Also bravo, Titanic, weiter so.

Satire muss weh tun

Aus unserer leidvollen Geschichte haben wir eines gelernt: Satire muss weh tun. Sie muss so sein, damit sie wirken kann. Damit sie wirken kann muss man sie erlauben. Sie darf auch nicht durch irgendwelche falsch verstandenen Persönlichkeitsrechte eingeschränkt werden.

Wenn Lieschen Müller so auf dem Titel der Titanic landen würde könnte man noch darüber diskutieren, ob das Lieschen Müller schadet oder nicht doch eher ehrt es auf einen Titanic-Titel gebracht zu haben. Aber im Fall Beck wäre die Sache ganz klar:

Hätte dieser Mensch auch nur einen Funken von Humor, er würde beim Titanic-Magazin vorbeifahren, damit diese ihm ein Bärenkostüm anziehen können. Dann besucht man mit einem Fototeam zusammen die Lokationen die der Bär aufsuchte und erstellt somit eine kleine Dokumentation der Zeitgeschichte, wobei - natürlich - immer Beck die Position des Bären einnimmt.

Das würde mir zeigen: Der Mann hat Humor, so jemanden kann man wählen. Er stellt sich der Kritik und versteht auch die Wichtigkeit von Satire in diesem Land.

Aber wo sind wir gelandet? Bei einer einstweiligen Verfügung gegen das Titanic-Magazin.

Schaut euch das Bild oben bitte nochmals an und bildet euch selber eine Meinung!

Mein Gott, wie tief ist Deutschland eigentlich inzwischen gesunken?

-Tino, 2006-07-04