Meinung - Satire

Der Teufel

Ich habe inzwischen den Beweis, dass es den Teufel nicht gibt. Jedenfalls müssen wir eine vollkommen falsche Vorstellung von dem Teufel haben wenn es ihn gibt.

Was der Teufel ist

Hier ein Paar Punkte, die über den Teufel allgemein angenommen werden:

Der Teufel
  • ist böse.
  • will die unsterbliche Seele des Menschen für sich haben.
  • nutzt Intrigen, Überredungskunst und Versprechungen um sich Seelen zu verschaffen.
  • ist vertrauenswürdig, in dem Sinne, dass er sich an seine Versprechen hält, allerdings eben legt er diese so aus, wie es ihm passt.
  • verdreht die Wahrheit zu seinem Nutzen.
  • ist intelligenter als der Durchschnittsmensch.
Diese Aussagen müssen falsch sein. Bevor ich den letzten Beweis erbringe, hier eine kleine Kausalkette:

  • Ist der Teufel dümmer als der Durchschnittsmensch, dann kann er die Wahrheit nicht zu seinem Nutzen verdrehen, weil dann so gut wie jeder dies mit dem Teufel tun würde.
  • Da der Teufel aber Seelen haben will, muss er die Menschen dazu bringen, dass sie ihm die Seele übereignen. Durch Taten oder durch einen Vertrag.
  • Letzteres funktioniert aber nicht mehr, wenn jeder Idiot den Teufel reinlegen könnte, indem er einen normalen Menschen zur Hilfe bittet.
  • Bleiben also nur die Taten der Menschen. Dazu muss der Teufel aber gar nichts tun. Das sind die Seelen, die sowieso ihm verschrieben sind. Wenn ihm genug ist, dann wäre er nicht böse.

Nun der Beweis

Wäre der Teufel so klug, und wollte er die Seelen der Menschen für sich gewinnen, dann würde er dafür sorgen, dass er möglichst viel Zeit hat. Er würde außerdem dafür sorgen, dass die "guten" Seelen möglichst spät in den Himmel kommen.

Also braucht er den Menschen nur relativ unsterblich zu machen, d. h. er müsste nur das Altern abschaffen.

  • Dann hätte er so viel Zeit wie er will um die Menschen zu korrumpieren.
  • Die Menschheit würde noch schneller überbevölkert, also würden Wut und Hass noch stärker um sich greifen und dem Teufel so mehr Seelen für ihn gewinnnen.
  • Der Tod hätte auch weiterhin genug zu tun, die Menschen würden eben nur nicht an natürlichen Ursachen sterben sondern würden sich meistens gegenseitig massakrieren.
  • Und stellt Euch das Chaos vor, wenn man in den Besten Jahren, sagen wir, mir der Vitalität um die 40 Jahre, in die Rente geht, und dann auch noch ewig in dieser Rente verweilt!
  • Oder andersherum, wenn man deshalb niemals in die Rente gehen kann und somit die Arbeitsplätze für immer verstopft bleiben, da niemals jemand "zu alt" für diese Arbteit wird und den Jungen platz macht.
Er würde Chaos und Verderben sähen auf diesem Planeten.

Da er das aber nicht tut, kann ich nur folgern:

Den Teufel, den gibt es nicht.

Denn wenn ihn gibt und wir trotzdem Altern und sterben dann zeigt klipp und klar:

Der Teufel versteht sein Handwerk nicht. Er wäre für sein Amt zu dumm, zu faul und ein riesengroßer Stümper. Er hätte überhaupt nicht verstanden, worauf es auf lange Sicht ankommt.

Ja, 100 Jahre scheint einigen Leuten (wie mir) sehr kurz vorzukommen. Aber überlgt Euch wirklich mal, was passiert, wenn man nicht mehr auf natürliche Weise stirbt. Wenn die Floskel "bis dass der Tod Euch scheidet" nimmer gilt. Wenn auch die ganzen Idioten ewig leben. Wenn die dritten Zähne zur Regel werden, da die normalen Zähne selten länger als 100 Jahre halten. Wenn die überbevölkerten Regionen dieses Planeten nicht mehr durch den raschen Tod von Alten entlastet werden, sondern die Menschen dort nur noch an Hunger krepieren. Überlegt es euch!

Dann schufe sich der Mensch die Hölle auf Erden. Aus freiem Willen.

Denn dass der Mensch dann zur Vernunft käme und sich plötzlich änderte, indem er z. B. die Überbevölkerung nutzt um andere Planeten zu besiedeln, sich wie ein Virus ausbreitet und das Universum nach seinen Vorstellungen formt, das glaube ich nicht. Im Gegenteil.

Keulen stünden nach kürzester Frist hoch im Kurs.

So ist der Mensch nun einmal, so war er immer und so wird er immer sein. Und ein Teufel müsste das wissen.

Deshalb

Sollte ich dem Teufel mal persönlich begegnen, ich würde ihm ziemlich die Leviten lesen. Wäre ein Großteil der Menschheit genauso ein Taugenichts wie er, der Mensch hätte sich nicht zum mörderischsten, gefährlichstem, brutalsten und grausamsten Wesen auf diesem Planeten entwickelt.

Und verglichen mit uns muss der Teufel also geradezu ein Heiland sein. Anderenfalls kann es ihn nicht geben.

Schlusswort

In einem Rollenspiel würde ich es wie folgt definieren:

Am Anfang gab es Himmel und Erde, Gut und Böse, Ordnung und Chaos, Recht und Unrecht. Da der Teufel aus dem Himmel verbannt wurde und da er sich nicht auf der Erde befindet, kann er weder gut noch böse, weder gerecht noch ungerecht, weder ordnungsliebend noch chaostereibend sein. Denn all das, das war ja schon längst zuvor vorhanden!

Was also, frage ich, kann den Teufel sowohl aus dem Himmel vertrieben haben, so dass er auch nicht auf der Erde Platz haben konnte?

Das einzige das mir dazu einfällt ist: Freiheit.

Im Himmel ist man an die himmlischen Gesetze gebunden. Auf der Erde sind es die Naturgesezte. Weder Himmel noch Erde sind frei von Regeln.

Sofern es ihn gibt muss der Teufel wohl ein Anachist sein. Jemand der sowohl Ordnung als auch Chaos, der Recht wie Unrecht leugnet. Der jede Form von Kontrolle hasst, der frei von Herrschaft und von Zwängen leben möchte, eben so wie es ihm gefällt. (Das würde auch erklären, warum wir ihm scheißegal sind.)

Im Cyberspace mit seinen unendlich vielen Dimensionen ist es übrigens problemlos möglich, genau dies zu schaffen. Nämlich dass jeder Mensch so viele Dimensionen für sich horten kann, wie er will, und trotzdem niemand anderen einengt. Genau dies zu beweisen, daran arbeiten so Leute wie ich, die den Cyberspace erforschen.

Hm .. allerdings wusste ich bis heute nicht, dass ich deshalb vielleicht ein Satanist bin. Das ist mir aber vollkommen egal. Ich werde mich weiterhin für die mehr als unendliche Freiheit des Cyberspace begeistern und meine Bemühungen, diesen der Menschheit näher zu bringen, nicht im mindesten schmälern.

-Tino
PS: Auch wenn es Satire ist bleibt es wahr.