Meinung - Tinos Kolumne - Abraten
Onlinespiele
Die-Stämme
Zu 2009-01-30 habe ich mit "
Die-Stämme" begonnen. Etwas mehr als 2 Wochen später ziehe ich folgende Konsequenz:
Ich höre ab sofort auf, bei Die-Stämme zu spielen. Mein letzte aktive Spielteilnahme fand am 2009-02-18 statt. Ich lasse den Account jetzt sterben. Oder vielleicht übernimmt mein (minderjähriger) Sohn ja diesen Account, mal sehen.
Was ich erreichen wollte habe ich erreicht, nämlich festzustellen, ob Die-Staemme ein brauchbares Spiel ist.
Es ist es nicht, jedenfalls nicht für mich.
Ich wünsche der Firma, die dieses Spiel betreibt, noch alles Gute auf ihrem weiteren Weg, aber für mich (bzw. meine Klientel) ist ihr Geschäftsmodell ungeeignet.
Entweder bin ich inzwischen zu alt geworden, so dass ich nicht mehr zur Zielgruppe gehöre, oder in dieser Firma läuft etwas grundlegend falsch weil die Macher noch nicht verstanden haben, wie Marktwirtschaft im Internet funktioniert.
Aber das ist natürlich vollkommen subjektiv und nicht maßgeblich, ich mache Internet ja nur schon länger als es das WWW gibt. Und ich bin schon lange keines dieser Kiddies mehr, die aus reiner Unwissenheit noch alles mit sich machen lassen.
Der Grund warum ich das jetzt (erst? schon?) bemerke ist diese Gratis-Woche für den Premium-Account.
Um zu verstehen, wie es zwingend zu dieser Konsequenz kam, muss man zuerst einmal verstehen, wie die westliche Marktwirtschaft aus der Sicht meines Semesters funktioniert:
- Es gibt Billigprodukte, bei denen man den Gewinn über die reine Masse macht. (Billigprodukte können aufgrund der Masse unter Umständen sogar besser sein als der Durchschnitt!)
- Es gibt Normalprodukte, die mit einer guten Qualität daherkommen und einen fairen Preis besitzen.
- Und dann gibt es Premiumprodukte, die man eigentlich nicht braucht, aber deren zusätzliche Qualitäten etc. die Mehrkosten oft mehrfach aufwiegen.
Beispiel: Lachs
- Es gibt den Billig-Lachs, durch den man sich auch mal den Magen verderben kann, weil er nicht so lange haltbar ist.
- Es gibt den Normal-Lachs, der bereits eine sehr gute Qualität besitzt und den man jederzeit kaufen kann.
- Und es gibt den Premium-Lachs, der z. B. Bio-gefüttert und -verarbeitet wurde (so wie Lachs gehalten wird ist kein "Bio"-Siegel möglich).
Wenn ich z. B. Lachs kaufe, dann greife ich meistens zur Premium-Qualität, einfach wegen der besseren Verarbeitung. Von den Billig-Lachs-Angeboten fliegender Händler (z. B. das Lachsbrötchen am Mittag) lasse ich lieber die Finger, ich habe schon hinreichend einschlägige Erfahrungen in dieser Hinsicht erlebt.
Beispiel: Benzin
- Es gibt denn Billig-Sprit (im Ausland), durch den man sich einen modernen Motor ruiniert.
- Es gibt den Normal-Sprit (an jeder deutschen Zapfsäule), der den Normen entspricht.
- Und dann gibt es die Premium-Produkte, die eine höhere Motorleistung versprechen oder die Ventile zu säubern.
Beim Sprit greife ich normalerweise zum Normalprodukt, da dies meinem Auto gut bekommt. Nur wenn ich mal das maximale rauskitzeln will oder ähnlich, dann greife ich zum Premium-Produkt. Oft war das bisher allerdings nicht, denn der zusätzliche Preis leuchtet mir selten ein.
So, jetzt haben wir verstanden, was so jemand wie ich unter "Premium" versteht, und wann er so etwas bezahlt und wann nicht. Nun dasselbe für das Internet:
Hier haben wir z. B. die Billigprodukte, die meist werbefinanziert sind, und bei denen es die schiere Masse macht. Das passende Buzzword nennt sich hier Web2.0 und Firmen Google mit YouTube oder Google-Apps (mit Google-Mail) gehören dazu, genauso wie Xing, Suchmaschinenanbieter oder Microsoft mit Hotmail. Die Billigprodukte müssen nicht schlecht sein, im Gegenteil stellt Google-Mail derzeit wohl den hochentwickelsten Freemailer mit absolut exzeptioneller Leistung her. Grundlegend bei diesen Billigprodukten ist, dass sie so gut wie jeden Kunden bereits vollständig zufriedenstellen und dabei absolut kostenlos daherkommen.
Dann haben wir die Normalprodukte. Dazu gehört alles, was mit der Infrastruktur des Internets daherkommt. Internetzugänge gehören dazu, Firmenwebseiten, oder auch das DeCIX oder all die typischen Hoster wie 1&1, Hetzner, Strato, all das sind absolute Normalprodukte. Sie sind ausgereift, funktionieren stabil und kosten "flat". Oft kommen quasi auch als Bestandteil des Internetzugangs daher. (Warum Google-Apps nicht dazu passt erkennt man an der Kalenderfunktion, die einen an Termine kostenlos per SMS erinnert.) Fakt ist also, dass man hier (im Internet!) niemals mehr zahlt als man sowieso schon zahlt. Sofern es sich also um eine Community-Website oder Online-Spiel handelt, muss es sich um ein kostenloses Angebot handeln. Ein gutes Beispiel für ein solches Normalprodukt das auch das Internet nutzt ist battle.net, an dem man nur teilnehmen kann, wenn man das Spiel legal erworben hat.
Und dann haben wir die Premiumprodukte. Das sind z. B. alle Online-Spiele die mit Monatsgebühren daherkommen (z. B. WoW) oder die man sonst aus einem Grund nicht kostenlos oder frei nutzen darf (z. B. Pornosites, Britannica, SpOn-Archiv, usw.). Oder es sind Features, die man an sich nicht braucht, die ein "nice to have" darstellen oder die nur für absolute Super-Power-User notwendig sind.
Ich habe die Regeln im Internet nicht aufgestellt, es ist einfach nur so. Wer sich versucht, dagegen zu stemmen, wird erkennen, dass das Internet solche Barrieren umfließt und weiterzieht, d. h. man wird feststellen, dass sich das Internet nicht aufhalten lässt und wenn man nicht mitschwimmt man hinterher auf dem Trockenen sitzt.
Das hat schon ettlichen Firmen das Genick gebrochen, ganz besonders schön zu sehen war das in der Dot-Com-Blase um 2000 herum, in der die Geldgeber auf die harte Tour erlernt haben, dass das Internet anders tickt. (Ganz gelernt haben sie es noch nicht, das sieht man an der Web2.0-Hype.)
So, nun zurück zu Die-Stämme.
Ist Die-Stämme ein Billigprodukt, dann würde es nichts kosten.
Oder es ist ein Normal-Produkt? Dann darf es immer noch nichts kosten (ist inklusive mit dem Internetzugang).
Oder es bietet auch ein Premium-Produkt. Das darf dann natürlich etwas kosten. Ein gutes Beispiel für solch ein Premium-Produkt wäre, wenn man Die-Stämme an sein eigene Corporate-Identity anpassen kann - das Hochladen eines Logos ist als solches zwar nur ein schwacher Abklatsch, aber geht somit als Premium-Feature durch.
Die Premium-Testwoche sollte mir also nahebringen, ob ich dererlei Features wirklich benötige. Also so Dinge wie Notizen, so Dinge wie eigenes Logo, oder die erweiterete UI, in der ich mir selber eine Übersicht stricken kann. Nochmals zum Mitdenken:
Wichtig an solch einem Premium-Feature ist, dass es nicht essentiell für das Spiel selber sein darf. Alles was das Spielen selber angeht muss im Normal-Produkt bereits enthalten sein (ansonsten macht man etwas falsch im Internet). Nur wirklich exzeptionelle Dinge (darunter darf das Logo fallen, etc.) sind somit Premium-Inhalte, die etwas kosten dürfen. Dazu gehören auch Dinge, die einem einen Spielvorteil bieten, wie z. B. bei Die-Stämme die erweiterte Bauschlange (es so zu implementieren ist allerdings eindeutig asozial, denn hier bekommen die Finanzstarken gegenüber den Finanzschwachen einen Vorteil, was in gewisser Weise unfair ist. Niemand hat je behauptet, dass Marktwirtschaft sozial wäre, aber sich einen sozialen Touch zu geben hat bisher keiner Firma geschadet. Insbesondere vermeiden es Firmen in der Regel, sich ganz offen asozial zu geben, so wie Die-Stämme.).
Beispiel Google:
Das GoogleMail-Postfach (das Billigprodukt) war anfangs 2 GB groß. Das Postfach des freien "Google Mail for Domains" (das Normalprodukt) war somit 2 GB groß. Daneben gibt es das Premium-Produkt (Google-Apps Corporate etc.), das viel mehr Speicherplatz bietet. Der Speicherplatz bei GoogleMail wuchs nach und nach auf 6 GB an. Aber die Postfachgröße von Google-Apps blieb bei "nur" 2 GB, das Premium-Produkt wurde hingegen noch viel größer.
Es entstand also die paradoxe Situation, dass das Billig-Produkt derselben Firma leistungsfähiger war als das Normalprodukt. Es hat eine Weile gedauert, aber dann hat Google den Fehler erkannt und beseitigt (wenn jemand verstanden hat wie das Internet funktioniert, dann Firmen wie Google und Amazon), Google-Apps bietet inzwischen genausoviel Speicherplatz wie GoogleMail.
So, und nun kommt jemand wie Die-Stämme daher, und versucht mir weis zu machen, dass essentiellste Dinge die zum Spiel gehören ein "Premiumfeature" darstellen das man kaufen muss.
Sorry, Leute, das ist mehr als voll daneben. Das ist eine Frechheit.
Lustig ist, dass ich das vielleicht gar nicht so schnell bemerkt hätte, wenn die Premium-Woche nicht gewesen wäre. Ich habe in dieser Woche angefangen, bestimmte Aktionen durchzuführen, die ich vorher nie durchgeführt hatte.
Tatsache ist, dass ich das Premium-Interface (mal abgesehen von Dingen die ich niemals brauche, wie Logo etc., oder Dingen auf die ich leicht verzichten kann wie Umbenennen oder Notizen) rein spieltechnisch schon als Sub-Standard einschätze. D. h. ich halte es für besonders schlecht durchdacht und schlecht bedienbar. Einige Klickwege sind z. B. viel zu lang, andere Funktionen umständlich implementiert. Dass der Server ungeheuer lagt verdeutlicht die Designfehler bis zu einem unerträglichen Maß, denn wenn man 4 Mal klicken muss statt 2 Mal und dabei jedes Mal das Lag einem zum Weinen bringt, ist das eben überdeutlich.
So, und jetzt, da die Premium-Woche rum ist, sind diese vollkommen essentiellsten aller grundlegenden Features einfach verschwunden! Jetzt erkenne ich auch sehr deutlich, um wieviel schlechter das reduzierte "Standard-Interface" ist! Mit anderen Worten:
Aus einem gerade noch so erträglichen Sub-Standard-Interface wurde ein grottenschlechtes Interface, und damit wurde Die-Stämme für mich zu einem nicht mehr spielbares Spiel. Wer das nicht versteht soll sich bitte überlegen, welche Motivation dahintersteht, wenn ein Mensch spielt. Wenn ihm dann kein Licht aufgeht, kann ich leider auch nicht mehr weiterhelfen.
Zu diesem Ergebnis wäre ich vermutlich ohne die Premium-Woche nicht ganz so schnell gekommen. Ich hätte laufend nur den Kopf geschüttelt und mir gedacht "wie kann man nur" oder "sind die wirklich derart unfähig"? Irgendwann hätte ich dann das Handtuch geworfen und aufgehört, weil ein Spiel soll ja Spaß machen, Folter gibt es ja überall schon genug.
Manch einer mag vielleicht denken "ja, dann soll er halt die Premium-Features kaufen!".
Und genau das ist die grundlegend falsche Antwort! Diese Antwort zog noch nie und ist immer schon falsch gewesen. Die richtige Antwort auf "bezahle und habe etwas spielbares" ist "nicht spielen". Diese Reaktion ist richtig und hat ihr analogon in der "realen Welt", wenn z. B. Regierungen bei Erpressungen entschließen, nicht mit den Terroristen zu verhandeln. Die richtige Antwort lautet also immer schon, einfach nicht mitmachen. Und das Internet hat seine ganz ureigne Arte, derartige "Störungen" zu behandeln: Es umgeht sie und lässt sie so hinter sich.
Warum also, frage ich, soll ich auch noch für etwas bezahlen, das ich für Sub-Standard, oder landläufig als "schlecht umgesetzt" ansehe? Wäre Die-Stämme ein Spiel, das ich aus irgendeinem Grund spielen müsste, dann würden mir die Premium-Features immmer noch bei weitem nicht ausreichen! Von "Premium" erwarte ich deutlich mehr als Durschschnitt, und Durschschnitt ist weit besser als Sub-Standard. (Standard ist für mich alles, was sinnvoll ist und man mit wenigen Zeilen Code hinzufügen kann.)
In meiner Lebensphase bin ich nicht mehr auf bestimmte Dinge angewiesen. Sofern etwas nicht notwendig ist und mir lästig wird, kippe ich es inzwischen sehr schnell über Bord. Aus genau diesem Grund habe ich z. B. vor einigen Jahren meinen Fernseher abgeschafft. Deshalb werde ich mir auch kein von Marketingstrategen verkrüppeltes Produkt (wie das iPhone) zulegen und deshalb trifft es jetzt konsequenterweise auch Die-Stämme.
Also, wenn "über 40, selbständig, besserverdienend, technophil" eine unerwünschte Zielgruppe von Die-Stämme ist, dann gut gemacht, ihr habt mich erfolgreich vertrieben.
Anderenfalls sollten sich die Geldgeber aber mal deutlicher ansehen, ob die Firma da überhaupt versteht, was sie da tut.
Ein paar Anmerkungen, was mir die Spiellaune verhagelt:
- Es ist via Handy sehr schlecht bedienbar (z. B. muss man Grafiken einschalten, das macht es mit GPRS unerträglich langsam). Ja, Leute, ich verstehe die Logik dahinter. Aber überlegt doch bitte ein zweites Mal, und versucht einmal, dass eure Profitgier euch nicht die Sicht verbaut.
- Einige Dinge sind ziemlich unlogisch bzw. extrem unrealistisch: Angreifer können einen unverteidigten Wall nicht schadlos überklettern. Überhaupt sind Angreifer zu stark. Die Initiative sollte beim Verteidiger liegen. Auch hier verstehe ich die Logik dahinter. Aber gut konstruierte Spiele, die sich deshalb auch über Jahrtausende erhalten haben (wie Schach oder Go), haben mit solchen Problemen einfach nicht zu kämpfen.
- Das User-Interface sollte strategisches Vorgehen unterstützen. Das Standard-Interface ist nicht einmal zu ordentlichen taktischen Reaktionen fähig.
- Ein Feature wird nicht "Premium", indem man einen Sticker draufpappt. Premium-Features müssen wirklich etwas zusätzliches leisten. Alles was Greasemonkey kann, ist "Standard" und niemals "Premium", dazu gehören optimierte Klickwege oder das Vor-Ausfüllen irgendwelcher Formulare. Natürlich kann man dagegen anprogrammieren, aber wer das tut der hat keinerlei Gnade verdient.
- Dazu kommt, dass selbst mit "Premium" essentiellste Klicks fehlen und oder teilweise an einer eher unsinnigen Stelle auftauchen. Das zeigt, dass sich selbst bei "Premium" eigentlich niemand Gedanken über den Spieler selber gemacht hat! Und der Spieler ist nun einmal der, der zahlt, der Spieler ist der Grund, warum ein solches Spiel auf Dauer überlebt! Diese zu vergessen ist unverzeihlich.
- Man kann Dörfer nicht lokal umbenennen. Das Dorf im Norden sollte man z. B. "Norddorf" nennen können statt irgendwelche kryptischen Zahlenkoordinaten sehen zu müssen. Und nein, das wäre immer noch kein Premiumfeature (denn das geht locker-flockig mit Greasemonkey).
- Wichtige Sicherheitsabfragen fehlen (besonders im Premium-Bereich!)
- Der Server laggt am Nachmittag wie die Hölle. Manchmal liefert einer der Server ein anderes Ergebnis als die anderen (das ist besonders bei Round-Robin-DNS lustig. Zwei der Server wären spielbar, wenn da der dritte nicht laufend ein "Wartungsfenster" vermelden würde und deshalb jeder 3. Klick danebengeht).
Über einige kleinere Lücken (z. B. das mit dem Wall oder die unzuverlässige Technik und die offensichtlich überforderten Admins) kann man ja noch hinwegsehen (kann man als "so ist das bei dem Spiel halt" sehen). Die anderen Dinge aber zeigen mir, dass das Spiel so nichts für mich ist. Das "Premium"-Interface erhält bei mir nur die Auszeichnung "gerade noch erträglich", während ich das "Normal"-Interface als "unzulänglich" einstufe.
Für ein gerade noch erträgliches Interface zahle ich nicht extra. Im Gegenteil, ich empfinde, dafür Geld zu verlangen, als geradezu unverschämt.
Die Konsequenz ist, aufzuhören, das Spiel zu spielen. Und ich empfehle dies auch allen anderen.
Eine Firma, die das User-Interface künstlich verkrüppelt um hinterher mehr Geld herausschlagen zu können, gehört für mich in die Tonne getreten.
Das akzeptiere ich übrigens auch bei Hardware nicht, z. B. wenn eine Firma ein und dasselbe Produkt anbietet, aber mit verschiedenen Firmware-Ständen, so dass das dieselbe Harware einmal mehr kann und einmal weniger. Oder wenn sie künstlich die Hardware abschottet. Einige Beispiele dazu:
- Ein Sansa-MP3-Player hatte nach einem Firmware-Update plötzlich eine voll funktioniernde Radiofunktion! Nachgesucht im Internet und herausgefunden, dass die Radioversion 20 EUR mehr kostete! Mit anderen Worten, dieselbe Hardware wurde verkrüppelt 25% günstiger angeboten! Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte zu einem anderen Produkt gegriffen, denn so etwas ist eine absolute Unverschämtheit. Außerdem haben die Sansa-Leute offensichtlich die Notwendigkeiten des deutschen Marktes nicht verstanden (sie brauchen sich also nicht zu wundern, wenn sie irgendwann mal Pleite gehen). Für mich ist evtl. ein Gerät zu besitzen, das KEINE Radiofunktion hat, ein Zusatznutzen, da man als Firma der GEZ-Pflicht für jedes einzelne Radiogerät unterliegt! (Das ist z. B. genauso mit den Handys, die KEINE Kamera besitzen.) 20 EUR ist dafür ein schlapper Preis, das entspricht gerade mal 4 Monaten GEZ-Gebühr. Dazu muss aber der Radio-Teil wirklich deaktiviert sein, und nicht plötzlich mit einem Firmware-Update wiederauftauchen. Sonst bleibe ich GEZ-pflichtig!
- Apple behält sich beim iPhone vor, zu entscheiden, welche Software auf das Gerät kommt. Diese Entscheidung wird nicht dadurch getroffen, dass die Hardware oder Firmware es nicht unterstützen würde, sondern per kryptographischer Signatur ganz frei nach Gutdünken von Apple. Und genau das hat Apple bereits gemacht: Die Unterschrift für Software, die alleine Apple unliebsam war (sie war weder schädlich noch unbeliebt noch hat sie den Anwender gegängelt. Sie war sogar sehr nützlich, beliebt und hat dem Nutzer des Handys neue Möglichkeiten eröffnet), wurde zurückgezogen. Und nach einem (wegen Sicherheitslücken notwendigen) Firmware-Update lief die alte Version der Software natürlich nimmer. Apple entmündigt auf diese Weise die Käufer von Apple-Produkten. So lange Apple ein solches selbstherrliches und damit unerträgliches Geschäftsgebaren an den Tag legt werde ich kein Apple-Produkt mehr kaufen, unterstützen oder empfehlen. Meinen iPod habe ich z. B. meiner Schwester gegeben, nur damit sie sich nicht etwa einen kauft (ihr neues Auto hat einen iPod-Anschluss). Alternative Nokia: Auch Nokia versiegelt die Software. Aber bisher wurde kein Fall bekannt, in dem ein Besitzer eines Telefons nicht in der Lage war, eine Software auf dem Handy zum Laufen zu bringen, weil Nokia das nicht wollte! Es scheiterte rein an technischen Gegebenheiten, z. B. wurden Fehler in der Spezifikation erkannt und bereinigt, weswegen ziemlich viel Software nicht mehr installierbar wurde (weil die Signierung verweigert). Das Problem aber war Software-intern. Nach ändern einiger Bits (Capabilitites bzw. Entwickler-ID) und Neuübersetzen lässt sich solche Software nämlich leicht wieder zum Laufen bewegen. Dass viele der Programme leider keinen Support von ihrem Entwickler mehr hatten und als Closed-Source somit verlorengingen, das ist kein Fehler von Nokia, das ist der generelle Fehler von Closed-Source. Nokia sind - hier und bisher - die Guten. Sie wollen die Symbian-Plattform gegen negative Einflüsse schützen. Und so wie es aussieht schlagen sie sich sehr ordentlich, jedenfalls verglichen zu Apple, die diese Funktion als Machtinstrument missbrauchen. Mit meinem aktuellen Nokia-Telefon bin ich indes auch recht zufrieden. Es ist zwar fast unbedienbar (insbesondere die PIM-Funktion ist sub-Standard), und man kann auch nur noch gerade so eben damit telefonieren (daran ist E-Plus mehr schuld als Nokia), aber dahinter steckt keine böse Absicht von Nokia, sondern lediglich Unfähigkeit. Unfähigkeit kann ich verzeihen.
- Ich war mit den soliden Siemens-Handys immer hochzufrieden, bis Siemens leider seine Handysparte killte. Seitdem habe ich kein wirklich brauchbares Handy mehr gefunden. Mein Versuch auf die Linux-Handy-Sparte von Motorola mit dem A780 zu schwenken scheiterte kläglich. Das UI ist geradezu gefährlich konstruiert (schon mein Motorola-Timeport war eine Gefahr für Leib und Leben, aber es wird besser), aber da es Linux war ließ es hoffen. Aus vollkommen unverständlichen Gründen hat Motorola dann seine gesamte Linux-Handy-Sparte gekillt, so dass sich die Unterstützung des Linux-Handys letztendlich als Fehlkauf erwies. Einzig geblieben ist für mich die inzwischen unverzichtbare(!) Kalenderfunktion vom A780, ich mache mit ihm immer meine Jahresplanung. Der Kalender hat zwar einiges an Macken und ist an sich noch nicht vollkommen brauchbar, aber verglichen mit einem Symbian/Nokia ist er schnell, flexibel, leichtestens zu bedienen und funktional. Die Killeranwendung von ihm ist aber seine Übersichtlichkeit. Selbst 5 Termine pro Tag, 2 variable Zeitmarkierungen und einer Geburtstagserinnerung überfordern ihn nicht, all das kann man in der Monatsansicht(!) gleichzeitig übersichtlich und klar dargestellt erkennen! Das letzte Mal habe ich so etwas im letzten Jahrtausend auf meinem Psion Organizer gehabt, allerdings hatte dieser etwa 4 mal mehr Bildschirmfläche, dafür keine Farbe. Also versuchte ich Nokia mit Symbian, nur um zu erkennen, dass alles gute vom letzten Jahrtausend inzwischen über Bord geworfen worden war. Das Apple-iPhone wäre mein nächster Kandidat geworden, nur leider ist Apple inzwischen unerträglich. Einige Kollegen raten mir inzwischen zum Blackbarry, allerdings muss ich erst herausfinden, ob Blackbarry inzwischen auch ohne Windows-Desktop sinnvoll einsetzbar ist (meine Workstation läuft mittlerweile wieder unter Linux, so wie vor 15 Jahren schoneinmal, allerdings das Windows-Desktop vorübergehend funktionaler).
Das soll nur demonstrieren, dass ich sehr gerne
Premium-Produkte kaufe, wenn sie etwas zusätzliches für mich leisten. Künstlich verkrüppelte Produkte wie Die-Stämme nehme ich hingegen nicht war.
Und nein, das hier schreibe ich nicht, um Die-Stämme etwas reinzuwürgen. Ich mache das zur Frustbewältigung. Und um zu demonstrieren, dass Firmen mit guten Produkten gutes Geld verdienen können. Dabei dürfen sie den Fokus der Käuferschicht nur eben nicht aus den Augen lassen. Das brauche ich den Marktstrategen aber nicht zu erklären, denn das gehört zu ihrem 1 Mal 1. Allerdings sind Leute wie ich schwer erreichbar (kein Fernsehen, keine Tageszeitung, ihre Computer filtern die Online-News) und somit auch schwer studierbar. Deshalb ist es wichtig, mich selber zu erklären, denn so habe ich die Chance, dass jemand für mich das richtige Produkt herausbringt - das ich dann auch sofort kaufen werde.
Und ich bin experimentierfreudig. Nur scheitern eben einige Experimente häufig an der Dümmlichkeit der Firmen die diese Produkte herstellen - so wie jetzt bei Die-Staemme.
-Tino, 2009-02-18
PS: Zur Referenz: "abraum", Welt 38, Kontinent 23