Die Bahn

Die Bahn und der Streik:

2007-11-04

Ich gehe davon aus, Mehdorn bleibt eisenhart und wartet darauf, dass die Politik in seinen Tarifstreit eingreift damit er formell eine weiße Weste behalten kann. Woran Mehdorn aber vermutlich nicht denkt steht hier:

Wenn der Bahnstreik im Güterverkehr länger andauert, dann bekommt die Bahn mehr als nur ein Problem. Sie bekommt ein ganzes Bündel von Problemen.

Mehdorn scheint der Meinung zu sein, dass man im Güterverkehr den Mangel durch Priorisierung einigermaßen in den Griff bekommen könnte. Die Firmen, die am wichtigsten sind, bekommen die wenigen Züge zugeteilt die fahren.

Diese Idee ist nur leider falsch. Überlegen wir einmal, was tut die Bahn eigentlich, wenn sie Güter transportiert?

  • Sie braucht einen Zugführer.
  • Sie braucht einen Zug.
  • Dieser Zug muss an einem Ort stehen und beladen werden.
  • Dieser Zug fährt dann zu einem anderen Ort und lädt aus.
Und dann? Dann sind die leeren Güterwägen am anderen Ort und stehen nicht dort zur Verfügung, wo sie evtl. gebraucht werden. Es ist ein sehr spezielles Geschäft in der Bahn, das hochbezahlte Spezialisten durchführen, die für die Bahn dafür sorgen, dass die Güterwägen genau dort sind, wo sie gebraucht werden. Dafür stehen spezielle Züge, Zugführer, Loks und Fahrpläne zur Verfügung.

Gar nicht selten werden die benötigten Wägen an vorhandene fahrplanmäßige Züge angehängt, damit sie von einem Ort zum anderen transportiert werden, weil es sonst nicht mehr geht. Und genau das gerät jetzt ins Stocken.

Anfangs bemerkt man es vielleicht gar nicht. Aber durch den Mangel am Transport, die Priorisierung in wichtige Güter und ausfallende Fernzüge im Güterverkehr kommt dieses Verteilsystem zum Erliegen. Was sich über Jahre, ja Jahrzehnte aufgebaut hat bekommt plötzlich massiv Sand ins Getriebe.

Das Problem ist jetzt nicht der Streik selber. Während der Streik andauert werden weniger Waren transportiert. Das funktioniert vermutlich und die Bahn überlebt den Streik vielleicht noch. Die Probleme beginnen genau dann, wenn der Streik aufhört und plötzlich wieder genug Lokführer zur Verfügung stünden!

In diesem Moment wird die Bahn feststellen, dass sie plötzlich Riesenprobleme bekommen wird, den Transport wieder aufzunehmen. Denn das Verteilsystem für die leeren Güterwägen ist vollkommen durcheinandergekommen. Da helfen keine Computer. Da helfen keine Kriesensitzungen, da hilft nur Augen zu und durch.

Etwa eine Woche lang wird es dauern, so nehme ich an, bis der Güterverkehr nach einem lägeren Streik wieder einigermaßen normal fließt.

Mir ist nicht klar, ob Mehdorn sich dessen bewusst ist. Wahrscheinlich schon. Aber er spielt das Problem wohl herunter oder verschweigt es arglistig. Damit er weiterhin den harten Mann spielen kann, weil ihm sonst die Leute vorher schon den Kopf abreißen müssten.

Mehdorn ist jemand, der die gesamte Bahn gefährdet. Er ist der falsche Mann für die Leitung eines Unternehmens wie der Bahn in einem Land wie Deutschland.

Obwohl ich beruflich auf Park-And-Ridein München angewiesen bin und deshalb arg von dem Bahnstreik betroffen werde, wünsche ich den streikenden gutes Gelingen. Denn sie sind es, die der Firmenleitung die Quittung für ihr unverantwortliches Handeln der letzten Jahre präsentieren müssen.

Mehdorns Fehler

Mehdorn schimpft darüber, dass jetzt plötzlich mehr als ein Tarifvertrag für ein Unternehmen gelten soll.
Das ist in diesem Land nichts neues. Für den Osten galt schon früher ein anderer Tarifvertrag. Wenn es die Arbeitgeber haben wollen dann sind getrennte Tarifverträge also zulässig, wenn es aber um die Arbeitnehmer geht, dann nicht. Genau um solche Missstände zu korrigieren gibt es in Deutschland das Streikrecht!

Mehdorn will die Macht kleiner Spartengewerkschaften einschränken. Sicher erntet er da den Jubel der großen Gewerkschaften.
Ich bin der Meinung, gerade die Macht der kleien Spartengewerkschaften müsste gegenüber der großen Moloch-Gewerkschaften gestärkt werden! Ich finde es ist unbedingt zu begrüßen, wenn gerade kleine auf ihre Berufsgruppe spezialisierte Gewerkschaften den Arbeitskampf führen können, denn nichts anderes machen die Firmen, die sich ihre Sparte aussuchen.

Und selbst wenn es einmal gelingen sollte, dass eine Gewerkschaft mit dem Arbeitskampf eines einzigen Arbeitsnehmers das gesamte Universum lahmlegen könnte, dann ist das kein Machtmissbrauch, sondern setzt nur ein deutliches Fanal für einen offensichtlichen Missstand!

Mehdorn möchte, dass der Eigentümer der Firma, also Staat und Politik, eingreifen.
Wozu frage ich, setze ich als Firmenbesitzer bitte einen Geschäftsführer ein?

Wenn der Geschäftsführer die Geschäfte nicht führen will oder kann, dann ist das für mich ein Entlassungsgrund. Punkt und aus, da werde ich niemals diskutieren.

Natürlich muss ein Geschäftsführer dazu sorgen, dass ich als Eigentümer über evtl.e Probleme Informiert werde. Aber die Politik ist informiert, und dass sie sich bisher nicht einmischt ist ein klares Zeichen, dass Mehdorn seinen Job tun soll.

Das will er offensichtlich nicht tun. Schlechtes Zeugnis. Jemand, der zu feige ist, als Vorsitzender einer Firma der seine eigene Bürde nicht tragen will und keine eigenen Entscheidungen treffen möchte ist weniger Wert als jeder Arbeitsloser, der seinen Teil der Bürde trägt.

Mehdorn warnt vor dem volkswirtschaftlichen Schaden eines solchen Streiks.
Das sind eindeutig vorgeschobene Gründe. Die wahren Gründe und die echten Missstände bei der der Bahn (oben habe ich einen angesprochen) verschweigt Mehdorn.

Was aber eindeutig schon strafrechtliche Konsequenzen haben müsste ist, wenn ein Geschäftsführer dem Eigentümer arglistig Probleme vorenthält die sein Handeln, oder Nichthandeln, auf das Geschäft haben kann. Und genau das tut Mehdorn.

Ich halte solch ein Verhalten an der Spitze eines Konzerns wie der Bahn für hochkriminell.
Hinweis zum Verständnis: Die Bahn gehört dem Bund. Der Bund ist der Staat. Der Staat sind wir, die Bürger. Somit hat Mehdorn die Pflicht, uns Bürger zu informieren. Es ist unerheblich, ob wir das verstehen oder nicht.

Mehdorn hatte nur eines im Blick: Die Privatisierung der Bahn. Ich hoffe die Privatisierung ist gescheitert. Diese Hoffnung habe ich nicht, um Mehdorn sein Werk kaputtzumachen. Es geht nicht um persönliche Zuneigung oder Abneigung, sondern lediglich um Handwerk und Fähigkeiten. Mehdorn war der falsche Mann für das falsche Unterfangen.

Für die rücksichtslose Privatisierung der Bahn war Mehdorn natürlich genau der Richtige. Nur war liegt eben der Fehler! Die Bahn darf nicht derart privatisiert werden wie es derzeit angedacht war. Ich bin für eine Privatisierung der Bahn! Aber eben nicht zu den Bedinungen wie sie von der Politik vorgestellt wurden. Ein Unternehmen der Bahn ist für einen Staat zu wichtig, als dass man solch ein Unterfangen einem einzelnen Menschen übergeben darf, der dann auch noch aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur nicht in der Lage ist, die Aufgabe zu bewältigen, wie sie gemacht werden muss.

Vergleichen wir doch einmal mit der Telekom. Die Telekom steht inzwischen besser da als zuvor. Der Service ist extrem kompetent (ich habe die kursierenden Horrorstories live und in Farbe nur bei der T-Konkurrenz erlebt!), die Geschwindigkeit ist annehmbar, das Netz ist stabil (OK, Fehler kommen überall vor, aber die T behebt das) und das trotz der Auflagen der Regulierungsbehörde.

Und wieso hat das geklappt? Weil die Privatisierung nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen wurde!

Genau das hat Mehdorn vergeigt. Ich bin betroffen. Seitdem er im Amt ist wurde die Bahn für mich Schritt für Schritt weniger attraktiv. Die T hingegen wurde, seitdem sie für die Privatisierung fitt gemacht wurde, für mich als Kunden immer attraktiver!

Gut, die Dinge der Bahn (Personenbeförderung) liegen etwas anders als bei der Telekom (Telekommunikation). Aber es ist nicht die Sache des Kunden, das auf die Reihe zu bekommen, sondern die Aufgabe der Firmenleitung. Und das ist nun einmal Mehdorn. Und er hat seine Aufgabe eben nicht gemeistert, im Gegenteil, er hat es von Anfang an falsch gemacht.

Ich wiederhole was ich schon vor Jahren schrieb:

Der Fisch namens Bahn stinkt vom Kopf her, und zwar unerträglich.

Und mehr denn je bleibe ich dabei: Mehdorn muss weg.

-Tino, 2007-11-04
PS: Das schreibe ich rein privat als Kunde der Bahn.