Softwarekatastrophe Windows
Gerade (2007-03-20 13:40) ist es passiert:
Ein Popup erscheint, verschwindet sofort wieder und der Rechner rebootet ohne dass ich auch nur den Hauch einer Chance habe, die noch nicht gespeicherte Information vom Browser ins Internet zu saven.
Was war passiert?
Ich hatte geupdatet
Nach einem Update mit einem notwendigen Reboot hat man 2 Möglichkeiten:
- Entweder man rebootet sofort (was ich in 101% aller Fälle nicht kann)
- Oder man wird gefragt, ob man später rebooten will (was bei mir in 202% aller Fälle absoluter Schwachsinn ist)
Eine Drite Option, nämlich "ich reboote dann wenn ich will und ansonsten gibt es keinen Reboot. Punkt" findet nicht statt.
Man könnte jetzt argumentieren, was mit dem "Später" denn so schlecht sei? Nun, genau das, was mir gerade passiert ist (und mir in ca. 20% der Fälle übrigens passiert):
Nach der Wartezeit kommt das Popup wieder und man muss es wegklicken. Tut man es nicht, wird der Rechner nach einer bestimmten Wartezeit rebootet.
Nun ja, wenn man gerade heftig am Arbeiten ist kann man es ja wegklicken. Mein man. Geht aber nicht. Wenn der Finger sich gerade auf dem Weg zu einer Taste befindetund das Popup dann erscheint (was in ca. 60% der Fällen bei mir der Fall ist wenn ein Popup erscheint), dann gehen die Tastendrücke an das Popup. Ebenso ergeht es Mausklicks (in 5% der Fälle).
Im gutartigen Fall ist die Taste, die man gerade drückt, irgendeine, oder der Mausklick geht halt irgendwohin. Aber in einigen Fällen (und bei mir kommt das inzwischen fast jeden Monat vor!) ist es eben so etwas wie die Leertaste oder Returntaste, und ja, ich habe so ein Popup sogar schon mit der Maus getroffen (weil alle Popups ja immer hübsch zentriert auftreten). Und dann verschwindet das Popup im Nirvana, auf Nimmerwiedersehen, und man hat keine Ahnung, welche Option man gerade ausgelöst hat. Wenn es nicht gerade ein solch fatales Popup wie ein "instanter Reboot" ist.
Der Browser wurde also sofort geschlossen, die Kiste hat sich abgemeldet und rebootet. Ohne Sicherung meiner Eingabe. Ohne irgendwelche Chance einer zweiten Meinung. Einfach so.
Unverantwortliches Handeln der Programmierer
Eigentlich kann man die Implementierung einer solchen "Lösung" nur als grob-fahrlässig bezeichnen. Das bedeutet, die Entwickler sind für diesen Murx direkt verantwortlich und können sich nicht einmal auf eine Versicherung stützen, da dieser Mist bewusst in geistiger Klarheit derart Implementiert wurde (und von der QS abgenommen wurde).
- Erstens fehlt die Option, den Reminder für immer abzuschalten (mein Default). Ich bin nicht so vergesslich, dass ich den Reboot nicht durchführe oder nicht wüsste, was das bedeutet.
- Zweitens fehlt die zweite Sicherheitsabfrage. Bei einer Fatalen Option wie "Reboot" darf es nicht sein, dass ein einzelner Klick dafür ausreicht, die Kiste abzuschießen.
- Drittens steht der Default oft auf "Reboot" statt auf "Später". Warum die Leute nicht einmal das so einstellen bleibt bei mir ewiglich ein Rätsel.
In diesem Fall ist Microsoft nicht direkt schuld, denn die Software war ein Virenscanner. Aber Microsoft ermöglicht immer noch, dass man den Reboot einfach so per Software auslöst! Solch ein Vorgang muss unbedingt bestätigt werden.
Übrigens ein klares Votum für Vista! In Vista hat Microsoft derartige Aktionen derart kompliziert gemacht, dass die Programmierer dieses (kommerziellen und gegen Bares lizenzierten!) Virenscanners es bisher nicht fertigbrachten, Vista zu unterstützen. Das kommt eben davon, wenn man unverantwortlichen Murx macht, der Scanner läuft nämlich inzwischen wie man hört, sie haben nur Probleme, die Funktionen von XP auf Vista zu portieren. Eben solchen Mist wie einen instanten Reboot.
Allerdings auch ein klares Votum gegen Vista. Denn unter Vista ist es immer noch möglich, einen Instanten Reboot (oder Shutdown) auszulösen, oder eine andere Funktion wie Logoff etc. die noch nicht gespeicherte Informationen unwiederbringlich killt.
Es geht mir übrigens nicht um Abstürze. Windows ist (seit XP) so stabil wie ich es von Linux gewohn bin. Abstürze kommen in einfachen Betriebsmodis (wie dem Tippen von Text) so gut wie überhaupt nicht mehr vor. Vor 2 Jahren oder so habe ich das mal erlebt, da hatte mein Rechner ein defektes RAM (darauf wurde ich erst aufmerksam, weil der Rechner mal hin und wieder abstürzte). Die Stabilität ist also ausreichend. Viel schlimmer ist es bei Software, also menschengemachten Schlampereien die einfach unterlassen werden könnten wenn die Leute auch nur ein minimum an Hirn einsetzen würden um den Vorgang zu durchdenken.
Sekundärkatastrophe
Ganz so schlimm wäre solch ein Reboot nicht. Ich speichere regelmäßig. Also wenn die Kiste "blitz, reboot" macht und ich innerhalb 1 Minute wieder weiterarbeiten könnte, dann wäre das ja nicht so schlimm. Aber in diesem Fall war auch das nicht so, d. h. bis man weiterarbeiten kann ist so viel Zeit vergangen, dass man den Gedanken unmöglich weiter festhalten kann:
Nach dem Restart muss man sich ja erst einmal anmelden. Dann wurde der Rest der Software installiert. Und dann kommt Windows Update und scannt den Rechner:

Windows macht nach dem Startup ein Nickerchen um seine Gültigkeit zu prüfen
Auch wenn man den Windows-Update suspendet (killen bringt nichts, es kommt sofort wieder) hilft das nur am Rande, weil irgendwelche versteckten Systemservices irrsinig CPU verbraten (die Kiste hier hat nur 1 GHz nach alter Messung, das entspricht 500 MHz nach neuer Messung, somit fehlt der zeite Core mit 3 GHz oder mehr um für ein aktuell gepatchtes XP sofort losarbeiten zu können). Auch sollte man den WgaTray anfangs suspenden, das Teil zieht auch irrsinnig Resourcen.
Es hilft aber in sofern, dass endlich wieder etwas Platten-IO frei wird, und so neben Windows-Update auch noch andere Zugriffe durchkommen, so dass man z. B. den Browser wieder starten kann damit er die Session wieder an der Stelle aufnimmt wo man so rüde unterbrochen wurde.
Die Teile startet man dann wieder, wenn die Kiste sich nach dem Start wieder eingekriegt hat, also nach 2 Minuten. Und zwar nacheinander, nicht gleichzeitig! Dann klappt das wunderbar, und die Kiste wird nicht von dem Mist überrannt.
Bezeichnend: Dieser ganze Müll stellt nichts wichtiges für den Benutzer bereit. Das eine Teil sorgt nur dafür, dass Updates runtergeladen werden, was prinzipiell ja etwas gutes ist, aber ob das jetzt passiert oder in 2 Minuten ist vollkommen egal. Das andere ist hingegen nur das Schnüffeltool von Microsoft, also etwas vollkommen unsinniges, das
nur die Arbeit behindert statt etwas zu verbessern.
Rechnen wir mal: Wenn das Tool den Rechnerstart nur 1 Sekunde verzögert und jeder der 200 Mio Windows-Rechner einmal pro Woche rebootet wird sind das
1 Mannjahr(!) Zeit die WGA weltweit pro Tag(!) verpulvert. (Und es sind mindestens 10 Sekunden!)
Also nochmals: Ich darf davon ausgehen dass Microsoft weltweit pro Tag wegen absoluter gröbster Fahrlässigkeit mindestens 50000 EUR Schaden produziert, rein von der Arbeitszeit her gerechnet.
So etwas nenne ich Kapitalverbrechen an der Menschheit, denn Zeit ist unwiderbringlich.
-Tino, 2007-03-20