Datei-Umbenennung

Microsoft hat ein interessantes Feature in Vista eingebaut:

Automatisches Rerouting von File-Zugriffen.

Schreibzugriffe ins Installationsverzeichnis von Programmen werden automatisch reroutet, so dass jeder Anwender sozusagen ein virtuelles Programmverzeichnis vorfindet damit sich die verschiedenen Anwender nicht gegenseitig stören.

Das Problem an der Sache ist, dass dieses Feature von Microsoft grob fahrlässig (d. h. ist dafür verantwortlich dass dieses Feature in unbrauchbarer Weise vorliegt und waren sich über dessen Unzulänglichkeit vollauf bewusst) stümperhaft implementiert wurde. Ein Beispiel dazu:

  • Man installiert Brickware, ein Programm das einen TFTP-Server zur Verfügung stellt.
  • Man speichert eine Datei auf den TFTP-Server.
  • Per Default schreibt Brickware nach c:\Program Files\bintec\BRICKware
  • Dort findet sich die Datei aber nicht, im Verzeichnis ist die Datei per Explorer nicht aufzufinden
  • Man sucht im Explorer nach der Datei
  • Der Explorer findet nichts!
Tatsächlich befindet sich die Datei unter
c:\Users\<username>\AppData\Local\VirtualStore\Program Files\BinTec\BRICKware

Also nochmals:
  • Microsoft schreibt nicht dahin, wo das Programm schreiben möchte. Das Feature ist zumindest interessant, wäre es brauchbar implementiert worden.
  • Listet man das Verzeichnis, befindet sich die geschriebene Datei dort aber nicht. Dies ist ganz klar ein Konstruktionsfehler. Eine Datei die in ein Verzeichnis geschrieben wurde muss sich anschließend in dem Verzeichnis befinden, anderenfalls ist das Betriebssystem schlicht defekt.
  • Sieht man das Verzeichnis mit dem Explorer an, sieht man die Datei immer noch nicht. Das ist eindeutig gravierende Schlamperei. Der Explorer sollte über das neue Windows-Feature Bescheid wissen und so die beiden Verzeichnisse - wie im Startmenü - überlagern
  • Sucht man nach der Datei findet Explorer nichts. Der Fehler liegt daran, dass "AppData" ein verstecktes Verzeichnis ist. Das ist ganz klar wiederum ein ganz klarer Bug. Es ist nicht verständlich, unlogisch und technisch falsch das Verzeichnis in das die vom Benutzer geschriebenen Daten re-routet werden für den normalen Anwender unsichtbar ist!
Fazit:

Vista wurde offensichtlich - wie Windows ME - nicht fertig entwickelt. Das Betriebssystem enthält zwar einige Features die interessant sind, diese funktionieren auch irgendwie, haben aber technisch den Stand von schnell implementierter Open-Source Alpha Software. Ich kann nur konstatieren, dass sich Microsoft der Ironie von "Release Early, Release Often" (Eric S. Raymond) nicht bewusst war, als sie das noch nicht in der Entwicklung stabilisierte Vista releaset haben - wahrscheinlich aus Geldmangel.

Es gibt noch eine weitere Gefahr. Der Nachfolger von Windows Server 2003 wird die Vista-Funktionalitäten enthalten. Es besteht zu befürchten, dass diese Server-Software von Microsoft die Fehler von Vista erbt. Das wäre ein Novum in der Geschichte von Microsoft. Bisher waren die Server-Implementierungen von Microsoft besonders für ihre Stabilität und Brauchbarkeit bekannt. Wenn Windows 2000 die Fehler von Windows ME geerbt hätte, wäre es niemals ein brauchbarer Nachfolger von Windows NT geworden. Genau das aber dürfte - wenn sich nichts ändert - mit dem Nachfolger von Windows 2003 passieren.

Windows 2000 ist ein Nachfahre von Windows NT und ist ein direkter Vorfahre von Windows XP. Windows 2003 basiert (IMHO) auf dem sehr stabilen Windows XP und nicht Windows ME. Windows ME war ein total verunglückter "Merger", ein unbrauchbarer Pre-Release von Windows 98 und neueren Windows XP Funktionen.

Windows Vista scheint somit ganz klar in der Tradition von Windows ME entstanden zu sein. Es wäre damit ein fehlerhafter Zwischenrelease von Windows XP und dem Nachfolger von Vista. Da dieser aber kein Server ist (das wäre zumindest ein Novum) fehlt also noch ein Evolutionsschritt vor Herstellung des nächsten Servers.

Microsoft lässt diesen Evolutionsschritt offensichtlich aus. Wenn sich das bewahrheitet könnte der nächste Server-Release den Untergang von Microsoft einläuten.

Der Untergang vollzieht sich allerdings sehr langsam wenn er kommt. Die Kunden werden - da sie überhaupt keine Wahl haben - auf den nächsten Server von Microsoft umsteigen, und dann feststellen, dass sie ihn nicht einsetzen können. Wenn Microsoft dann nicht in der Lage ist, schnell etwas funktionsfähiges zu produzieren (das wäre der Nachfolger von Vista, dieser müsste noch in 2010 ausgeliefert werden, da die Entwicklungszyklen von Microsoft aber immer länger werden ist das eher unwahrscheinlich) läuft den Microsoft-Kunden die Zeit weg, und sie werden auf Open Source (Linux oder Solaris) umsteigen. Einfach weil sie auf den Technologie-Refresh in den immer schneller entwickelnden Märkten nicht verzichten können.

Tatsache ist:

  • Windows NT war brauchbar.
  • Windows 2K war besser, war aber problematisch m Bereich der neuen Domain-Verwaltung
  • Windows 2003 war danach der vollkommen problemlose Server.
  • Windows 2008 muss gegenüber 2003 Verbesserungen enthalten sonst braucht man nicht umsteigen. So stiegen einige Firmen (z. B. Deutsche Bank AG) von NT direkt auf XP bzw. 2003 um und übersprangen W2K.
Ich denke also, sehr viele Firmen werden Windows 2008 und Windows Vista überspringen um auf das Nachfolgeprodukt zu warten. Sollten diese Produkte zu spät erscheinen (ich schätze 2010 und 2012 sind die Deadlines) werden die Firmen auf Windows-Alternativen umsteigen (ein Umstieg auf alte Windows-Versionen nur weil Microsoft nichts aktuelles liefert kommt nicht in Betracht), was eben das von mir beschworene Ende von Microsoft einläuten dürfte.

Noch ein Beispiel für die Dämlichkeit von Microsoft (habe ich schon anderswo notiert):

Microsoft hat aus Microsoft Works das Microsoft Word entfernt und bietet stattdessen eine Try&Buy-Version von Office mit dem Works an. Die Leute werden aber nicht verstehen, warum sie neben dem Word auch noch Excel mitkaufen sollen wo sie es doch niemals brauchen. Ebenfalls werden die Leute nicht verstehen, warum sie überhaupt Word kaufen sollen. Die Word-Komponente im Works ist aber derart beschnitten, dass sehr viele Leute sehr schnell an deren Grenzen stoßen werden (beispielsweise kann man nicht einmal Textbereiche mit einer Farbe hinterlegen, das geht nur Zeilenweise).

Die Leute werden so in die Arme von OpenOffice getrieben, denn die Leute werden - anstatt Word zu kaufen - OpenOffice testweise herunterladen und ausprobieren. Und sie werden sich damit zufriedengeben. Und das alles passiert nur, weil Microsoft in Works das Word durch eine unbrauchbare Word-Komponente ersetzt hat. Und wenn erst einmal die Privatanwender umgestiegen sind werden immer mehr Firmen ebenso umsteigen.

Wenn Microsoft - aus eigener Schuld - auf dem Office-Gebiet verliert und auch noch auf dem Betriebssystem-Sektor versagt (was ebenso den Anschein hat), dürften Microsoft schwere Zeiten bevorstehen.

Mit Vista und Works hat Microsoft anscheinend seine langfristigen Profit dem kurzfristigen Profit geopfert. Was doch in der Geschichte von Microsoft ein sehr erstaunlicher Vorgang ist, denn bisher zeigte Microsoft wesentlich mehr Weitsicht.