"Spieler welche sich über ein Mobiltelefon einloggen müssen dies vorher einem GameOperator melden."
Da mich diese Frage betrifft, bitte ich darum, dass mir der Datenschutzbeauftragte von Gameforge erklärt, aufgrund welchen Rechts Gameforge derartige personenbezogene Daten erfassen zu dürfen meint.
Das deutsche Datenschutzrecht verbietet ganz klar, dass man über die absolut notwendigen Daten hinaus weitere Daten auf nicht freiwilliger Basis fordert. Die Art des Internetanschlusses ist ganz sicher keine relevante Information um eine Leistung zu erbringen, auch wenn diese kostenlos erbracht wird.
Gameforge kann also darum bitten dass man solche Informationen abgibt, aber darf dies nicht fordern.
MfG,
Valentin Hilbig PS: Da es sich um ein urdeutsches Thema an eine deutsche Firma handelt schreibe ich diese Anfrage auch in Deutsch.
Folgenden zusätzlichen Text habe ich der Kürze halber noch nicht hingeschickt:
Valentin Hilbig PS: Da es sich um ein urdeutsches Thema an eine deutsche Firma handelt schreibe ich diese Anfrage auch in Deutsch.
Da es sich beim Datenschutz um ein Grundrecht handelt, darf Gameforge bei Nichterklärung auch nicht diskriminieren. D. h. wer diese Informationen nicht freiwillig gibt darf deswegen nicht schlechter gestellt werden als jemand, der diese Informationen abgibt. Somit ist die Erfassung solcher Informationen im Rahmen der Arbeitserleichterung grundsätzlich vollkommer Unsinn.
Beispiel: Einen Account zu sperren weil er via Mobilfunk (also einen Proxy) surft wäre eine unzulässige Benachteiligung, wenn die Leute, die über Mobilfunk surfen und dies vorher mitgeteilt haben, in der ähnlichen Situation nicht gesperrt würden. Somit liefe Gameforge Gefahr, aufgrund dieser zusätzlichen Informationen den Gleichbehandlungsgrundsatz zu verletzen, sprich Leute zu diskriminieren, weil diese sich an ihr hart erkämpftes Recht halten!
Es ist übrigens keine Entschuldigung dass es technisch aufwendig wäre, herauszufinden, ob jemand gerade via Mobilfunk surft oder nicht. Da es technisch lösbar (wenn auch teuer) ist, die Erfassung solcher personenbezogenen Daten zu vermeiden, ist die Angabe solcher Informationen für das Spiel somit nicht notwendig. Übrigens möchte ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass es ganz klar unzulässig ist, personenbezogene Daten wie die IP zu speichern, um sie ggf. später zu verarbeiten, z. B. um zu erkennen, ob jemand mit Mobilfunk surfte oder nicht. Diese Information kann man ad-hoc verarbeiten während sie anfallen um den Service sicherzustellen, danach müssen diese Informationen aber unverzüglich gelöscht werden. Ein Archiv zum Nachschlagen wäre ganz klar außerhalb dessen was das Gesetz zulässt.
Dass es evtl. aufwendig und teuer ist sich an geltendes deutsches Recht zu halten ist vollkommen normal. Z. B. hält sich wegen des Geldes jeder gewöhnliche Raubmörder nicht an geltendes Recht. Die Aussage, dass er anders kein Geld verdienen kann, ist irrelevant. Genauso wie das Recht auf Unversehrtheit des Lebens ist der Datenschutz im Grundgesetz verankert. Dass der Raubmörder auch gegen Strafrecht verstößt ist in dieser Debatte deshalb nicht relevant, Grundrechte wiegen stärker als Strafrecht, d. h. man darf ohne Repressionen befürchten zu müssen gegen Strafgesetze verstoßen, wenn dies notwendig oder geboten ist, um seine Grundrechte zu verteidigen.
Übrigens ist mir klar, dass ein Spieler wegen Benachteiligung nicht klagen kann da Ikariam kostenlos angeboten wird. Aber der Weg zum Datenschutzbeauftragten des Landes steht jedem offen. Ich denke, bei einem derart klaren Verstoß gegen die Gebote des Datenschutzes wird dieser auch tätig, da dies jeden deutschen Bürger der bei Gameforge spielt, und dies sind mit Sicherheit ziemlich viele.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass noch ein weiteres Recht in Betracht kommt. UWG. Es ist schlecht, wenn ein Mittbewerber über den amtlichen Bericht des Datenschutzbeauftragten mitbekommen könnte, dass Gameforge sich durch Nichteinhaltung des Datenschutzes einen unfairen Vorteil verschafft.
Somit dürfte es von höchstem Interesse sein, dass Gameforge solche Fehler ausräumt.
Eine Möglichkeit die ich sehe wäre z. B. zu verbieten, Ikariam über Handy oder Proxys zu spielen, wenn es so wichtig ist, zu verhindern, dass mehrere Spieler über eine IP spielen. Schlauer ist allerdings, anzunehmen, dass jeder Spieler über einen Mobilfunkanschluss surft.
Spätestens 2013 werden die IPv4 ausgehen, bei der IANA geschieht das schon 2011(!). Da die Einführung von IPv6 in ausreichendem Maß im Endkundengeschäft heute immer noch genauso weit entfernt liegen dürfte wie im Jahr 2000 (ich habe damals z. B. erwartet, dass der normale Internetteilnehmer im Jahr 2008 mit IPv6 unterwegs sein wird!), sehe ich nur ein Mittel das uns retten kann: IP-Sharing nach dem Vorbild der Mobilfunkanbieter. Da die Zeit drängt, sind die ISPs gut beraten, bereits ab 2010, besser noch dieses Jahr, mit der Einführung der Technik im laufenden Betrieb zu beginnen. Vielfach wird dies nicht einmal an die große Glocke gehängt werden, d. h. die Kunden werden überhaupt nicht darüber informiert, ob sie mit IP-Sharing online sind oder nicht (95% werden es anfangs nicht einmal merken)!
Sobald die IPs ausgegangen sind treten bei RIPE Notmaßnahmen in Kraft. Auch hier sehe ich an sich nur die Möglichkeit, dass RIPE nach und nach die großen IP-Bereiche zurückfordert, die ISPs wie die Deutsche Telekom für Dialup benutzen, da diese, dank IP-Sharing nach dem Vorbild der Mobilfunkprovider, technisch einfach und erprobt am schnellsten verträglich, in ihrem IPv4-Bedarf reduziert werden können. Der Vorteil bei dem Verfahren wäre, dass so vermieden wird, dass viele kleine Prefixe im globalen BGP4 auftauchen, weil Firmen gezwungen sind, ihren IP-Bedarf durch zusammenstückeln unzusammenhängender Netzbereiche zu befriedigen - wie derzeit von den RIRs vorgesehen. Ich halte letzteres für einen unbrauchbaren Vorschlag, denn dann käme zum Problem der Knappheit der IPv4-Adresse noch das Problem plötzlich explodierender Routingtabellen aufgrund massiver Zunahme "kleiner Netze" hinzu, was den inzwischen sowieso schon gestressten BGP4-Verbund (lies: RAM-Bedarf im Router) überlasten dürfte. (Allerdings harrt BGP4 ebenfalls der Erneuerung, da uns die AS-Nummern ausgehen, aber das ist ein ganz anderes Thema und betrifft nicht die Endkunden, lässt sich also viel leichter lösen als die Einführung von IPv6 im globalen Maßstab.)
Alternativ steht natürlich IPv6 vor der Haustür. Aber gerade bei den Spielern, die IPv6 nutzen, wird die Idee, "Multis" durch Mehrfachnutzung einer IPs zu entdecken, vollkommen absurd, da viele Teilnehmer zwischen einem /48 bis /96 bekommen werden, also milliarden IPs zur Verfügung haben. Andererseits wird es auch viele Spieler geben, die mit einem /128 unterwegs sind wie heute mit einem /32.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich empfehle schlicht, solchen Unsinn aus den AGB sowie sonstigen Spielregeln zu entsorgen, man heimst sich damit, wie man sieht, mehr Probleme ein als Nutzen. Das Verbot von Multis geht in Ordnung, nur die fragwürdigen Hilfskonstrukte sollte man besser weglassen, sie sind, wie beschrieben, schädlicher Unsinn.
Außerdem:
Dieser Hinweis in den Spielregeln von Ikariam ist ziemlich missverständlich formuliert. Die Spielregeln schreiben z. B. immer ganz klar vor, ob etwas im Spiel oder auch außerhalb des Spiels (z. B. in den Foren) gilt. Da der Satz "Spieler welche sich über ein Mobiltelefon einloggen müssen dies vorher einem GameOperator melden." keinerlei derartige Einschränkungen enthält, gilt diese Frage also allgemein.
Um es mal ganz profan anszudrücken: Die Frage "ob ich mich über ein Mobiltelefon einlogge oder nicht" ist so persönlich wie die Frage, "ob ich mit einer Frau ficke oder nicht". Während man bei letzterer Frage sofort versteht, warum diese in den Spielregeln von Ikariam nichts verloren hat, scheinen die Leute sich bei ersterer keine Gedanken zu machen.
Allerdings ist das bei mir anders. Ob ich mit einer Frau ficke oder nicht halte ich für weniger in meine Privatsphäre eindringend als die Frage, ob ich mit einem Mobiltelefon online gehe oder nicht! Das mit der Frau hinterlässt auch "Spuren", aber eben nicht bei Gameforge, vorausgesetzt die Frau bzw. diese "Spur" sind dort nicht angestellt. Sprich, ich finde unangenehm, dass man über das AS der IP herausfinden kann, über welchen ISP ich surfe, weshalb ich mir deutlich verbitte, dass derartige Informationen in irgendwelchen Datenbanken auftauchen, die diese Information mit einem meiner Online-Accounts verknüpfen können. Meine sexuellen Vorlieben oder ob ich daraus Nachkommen habe sind in meinen Augen hingegen viel weniger intime Details als die Wahl meines ISPs.