Elektroschrott (Meinung - Tinos Kolumne)

Was ist eigentlich Elektroschrott?

Die Frage hört sich einfach an. Liest man aber die zugrundeliegenden Gesetze, dann wird diese Frage plötzlich sehr kompliziert. Insbesondere wird der Verbraucher mit alltäglichen Fragen vollkommen alleine gelassen.

  • Elektroschrott gehört nicht in den Hausmüll: Soweit ist das Gesetz klar formuliert. Es ist auch sinnvoll und daran möchte ich gar nicht rütteln.
  • Das Problem ist die Industrie: Die Industrie verbandelt immer mehr Produkte mit elektronischen Funktionalitäten und macht sie so zum Elektroschrott.
  • Das Gesetz ist unklar: Leider ist das Gesetz für normale Menschen vollkommen unverständlich.
Ich habe inzwischen einen Trick herausgefunden wie der Verbraucher dem Gesetz entsprechen kann und sich der Dinge entledigen kann, die unklar sind:
Überall stehen öffentliche Abfallbehälter herum, die dazu dienen, dass der Bürger seinen Abfall den er bei der Bewegung durch den öffentlichen Raum produziert loswerden kann. Diese Müllkörbe nehmen jede Form von Abfall auf, dürfen aber nicht missbraucht werden. Es ist möglich, das Problem hier damit zu umgehen.

Alle Dinge, über die ich gestolpert bin und die ich nicht zuordnen konnte passen problemlos in eine Manteltasche. Es sind also die kleinen Dinge des täglichen Bedarfs die die Probleme bereiten mit der Zuordnung zum Elektroschrott.

Statt diese Sachen wegzuwerfen steckt man sie also in die Taschen, und immer wenn man an einem Abfallbehälter vorbeikommt greift man in die Tasche und schmeißt den Müll einfach in kurzerhand in diese Abfallbehälter. Wieder zuhause füllt man sich die Tasche wieder mit der nächsten Fuhre des unbekannten Mülls.

So, und nun in Medias Res, die Fragen die entstehen oder nicht entstehen.

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Kein Elektroschrott

Das Gesetz nimmt explizit einige Dinge aus, die kein Elektroschrott sind:

  • Normale Glühbirnen: Diese bestehen aus Glas, Eisen, Kupfer, Wolfram und etwas Plastik. Sie enthalten kein Gas (sondern Vakuum) und gehören somit weiter in den Hausmüll.
  • Medizinische Implantate: Auch wenn ein Mensch aus 95% elektronischen Ersatzzteilen bestehen sollte ist weiterhin eine ganz normale Bestattung möglich. Die Friedhöfe werden also auf die Dauer zu elektronischen Ersatzteillagern.

Und nun die Unklarheiten

Im Handel sind Hunderttausende von Produkten, die alle nach dem Wortlaut des Gesetzes unter Elektroschrott fallen, aber nicht mit der durchgestrichenen Mülltonne gekennzeichnet sind. Vieles sind Verbundprodukte die elektronische Teilkomponenten tragen. Die auffälligsten davon habe ich hier mal aufgeführt. Diese Liste erweitere ich wenn ich Lust und Laune habe und mal wieder an etwas vorbeikomme, das nicht zuordenbar ist:

  • Elektrische Feuerzeuge: Es gibt im Handel Einwegfeuerzeuge, die elektrisch zünden (Piezo). Somit sind es elektrische Leuchtmittel gemäß dem Gesetz. Gehören diese in den Elektroschrott? Der gesunde Menschenverstand sagt nein, das Gesetz sagt klar ja. Normale Feuerzeuge, davon gehe ich aus, sind zwar ebenfalls Leuchtmittel, aber eben nicht elektrisch betrieben.
  • Chip- und Magnetkarten: Eine Chipkarte ist eigentlich ganz klar Elektroschrott. Die menschliche Logik sagt ja, das Gesetz ist unklar.
  • Datenträger wie Disketten usw.: Speicherkarten sind klarer Elektroschrott. Aber was ist mit normalen Disketten? Da sie dieselben Materialien enthalten wie Computer (Flammschutz etc.) sollte es eigentlich Elektroschrott sein. Aber das Gesetz erwähnt sie nicht einmal.
  • RFIDs: Hier wird es besonders esoterisch. Der Menschenverstand sagt ganz klar dass das Elektroschrott ist. Ebenso das Gesetz. Aber die Industrie behauptet, es gehört in den Hausmüll! In meinen Augen ist das übelster Opportunismus den die Industrie sich da leistet.
  • Nichtmedizinische Implantate: Was ist mit elektronischen Hundemarken die den Tieren unter die Haut gespritzt werden? Das sind keine medizinischen Implantate. Sind derart präparierte Haustiere anschließend Elektroschrott?
  • CDs und DVDs: Bis heute tendiere ich dazu, CDs und DVDs als Hausmüll anzusehen, obwohl das eigentlich Elektroschrott sein könnte. Aber was wird mit den Blue-Ray-DVDs die einen Chip tragen um das DRM zu kontrollieren? Diese sind dann ganz klar Elektroschrott! Jedenfalls vom gesunden Menschenverstand und nach dem Wortlaut des Gesetzes.
  • Stromkabel: Wenn man ein Stück isolierten Kupferkabels im Wald findet, kann man es in den Hausmüll schmeißen oder nicht? Nach gesundem Menschenverstand nicht, das Gesetz sagt aber nicht dass das Elektroschrott wäre. Ebenso unklar sind Kaltgerätekabel. Das Gesetz erwähnt diese nur, wenn sie mit dem Gerät abgeliefert werden. Sie können also als Elektroschrott mit abgegeben werden, aber geht das auch einzeln oder muss das auch einzeln sein?

Darf man Elektroschott aufbereiten?

Es stellt sich die Frage, darf der Bürger den Elektroschrott vor-aufbereiten um sich z. B. den Transport des Schrotts zu erleichtern?

Ich sage ganz klar Nein! Der Grund ist simpel: Der Verbraucher ist nicht in der Lage zu erkennen, welche Komponenten unter Elektroschrott fallen oder nicht. Selbst mir, einem langjährigen Hobbyelektroniker, fällt das sehr schwer. Somit wäre es unverantwortlich, ließe man den Laien Elektrogeräte auseinanderbauen und nur die elektrischen oder elektronischen Komponenten entsorgen und den Rest über den Hausmüll.

Es erscheint aber durchaus sinnvoll. Viele Waschmaschinen enthalten Beton damit sie schwerer werden und somit ruhiger laufen. Dieser Betonring (meistens ist es ringförmig) macht durchaus 50% und mehr des Gewichtes einer solchen Maschine aus. Es ist also verständlich wenn man diesen Ring entfernen wollen würde.

Aber in Elektrogeräten sind oft chemische Stoffe versprüht worden, die dem Flammschutz dienen. Diese Stoffe können so in den Beton eingedrungen sein und diesen kontaminieren. In solch einem Fall gehört der Beton eben nicht in den Hausmüll, sondern muss fachgerecht entsorgt werden.

Ein Verbraucher kann das nicht entscheiden. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, im Sinne des Gesetzes ist es verboten, Elektro-Komponenten vom Elektroschrott abzusondern, man muss also immer alles im Verbund als Elektroschrott mitentsorgen!

Der Fall der Banane

Letztlich kaufte ich einen Bund Bio-Bananen. Auf einer Banane klebte das Preisettiket. Dieses war, wie sich zuhause herausstellte, ein RFID.

Gemäß obiger Logik muss ich die Banane also jetzt als Elektroschrott entsorgen?

Die industrie sagt, das RFID muss mit der Verpackung zusammen in die normale Mülltonne. Das ist aber falsch, eine Bananenschale gehört in den Biomüll.

Wer hat Recht? Welches Gesetz gilt? Vor der Elektroschrottverordnung hätte ich das RFID abgezogen und in den Restmüll, die Bananenschale in den Biomüll. Aber jetzt sind alle Dinge wieder offen:

Was weiß ich von RFIDs? RFIDs sind elektronische Geräte die der Überwachung und Datenaustausch dienen. Somit fallen sie klar unter die Elektroschrottverordnung. Bei der Herstellung von RFIDs kommen ganz sicher viele gesundheitsschädliche Materialen zum Einsatz. Dinge, die in die Schale der Banane diffundieren! Die Banane wird nur deshalb nicht kontaminiert, da diese Diffusion gering ist und die Schale nicht mitgegessen wird. Aber die Schale ist hinterher kontaminiert und muss somit wie der auf ihr klebende Elektroschrott fachgerecht entsorgt werden. Oder nicht? Ich weiß es nicht und das Gesetz hilft mir nicht weiter diesen Zusammenhang korrekt zu verstehen!

Nicht wegwerfbare Produkte

Überlegen wir weiter: Wenn die Industrie recht hat, und RFIDs in den Hausmüll gehören, wie kann das sein? Einfache Elektrogeräte wiegen nur wenige Gramm. Die Anzahl der RFIDs aber steigt beträchtlich in letzter Zeit. Ich habe mal hochgerechnet dass ich jährlich bis zu 1kg an RFIDs wegwerfen werde. Wenn das jede Familie macht dann sind das über 1000 Tonnen RFIDs pro Jahr die in den Hausmüll wandern. Das kann nicht mehr der EU-Richtlinie gegen Elektroschrott entsprechen.

RFIDs verstecken sich zunehmend in Produkten. In Kleidung, in Schuhen, in Gegenständen des alltäglichen Lebens, Kundenkarten, Aufklebern. Generell kann ein normaler Mesch überhaupt nicht erkennen, wann ein RFID in etwas steckt und wann nicht.

Alles, bei dem nicht ausgeschlossen werden kann dass ein RFID darinnensteckt wäre somit logischerweise Elektromüll! Und von der Industrie muss das Produkt somit eindeutig und klar als nicht wegwerfbar gekennzeichnet werden!

Aber die Industrie verstößt gegen diese Kennzeichnungspflicht. Warum?

-Tino, 2006-07-01