Unmöglicherkeiten

Hypo-Real-Estate soll verstaatlicht werden

Die Privatwirtschaft ist nicht faul im Erfinden immer neuer Methoden, die Gewinne zu behalten und Verluste zu vermeiden.

Das bisherige Konzept hieß:

  • Gewinne privatisieren
  • Verluste verstaatlichen
Aber jetzt kommt die Pleite der HRE. Ab sofort heißt der neue Meilenstein:

  • Gewinne privatisieren
  • Und nochmals ordentliche Gewinne mit der Verstaatlichung der Verluste einfahren

Der HRE Aktien-Realwert

Nein, ich spinne leider nicht. Gegen das was ich schrieb steht auch keine Zwangsentweignung der HRE-Aktionäre. Ganz im Gegenteil, dies kann man ebenso als "Gewinn" verbuchen:

  • Der Aktienwert ist ein reiner Spekulationswert und hat mit Realität nichts zu tun. Im Fall der HRE müsste eine Aktie eigentlich negativ viel Geld wert sein, d. h. die Veräußerung der Aktie müsste geld kosten. Wenn man die Aktionäre aber zwangsenteignet, dann vernichtet man diesen an sich negativen Realwert.
  • Und evtl. können die Aktionäre mit irgendeinem Dreh dann doch noch gegen den Staat klagen und für die verlorenen Aktien auch nochmals Geld herausschlagen, obwohl diese an sich weniger als nichts wert sind.
Ein richtiges Gesetz würde die Aktionäre dazu zwingen, im Rahmen ihres Aktienanteils in die Bank zuzuschießen. Aber so ein Gesetz kommt sicher niemals zustande.

Was die HRE war

Zufällig habe ich eine plausible Erklärung dafür gehört, was die HRE früher war:

Der Abfalleimer der Banken.

In der HRE wurden alle Hypothekengeschäfte mit untragbarem(!) Risiko gebündelt, bewertet und als einzelne Happen am Markt gewinnbringend platziert. Das Geschäft dabei war die Spekulation auf den Buchungsausfall. Sprich, Papiere, die "nur" ein 30% Ausfallsrisiko hatten waren eben "mehr wert" als Papiere mit einem Ausfallsrisiko von 90% und darüber. Beteiligt war man an dem Gewinn, die diese Papiere dann doch noch beim Rückkauf ergeben hätten.

Es gab sogar einen Topf mit Papieren, die ein 100% Ausfallrisiko besaßen. Man hat also damit Gewinn gemacht, jemandem Anteile an bereits ausgefallenen Hypothekenverträgen zu verkaufen. Also den absoluten Schrott vom absoluten Schrott. Der mögliche Gewinn war hier, dass die Leute, die die Schuldner waren, ja vielleicht mal wieder auf die Beine kommen könnten. Und genau daran wäre man dann auch beteiligt gewesen.

Da kam aber die amerikanische Immobilienkrise dazwischen und machte aus 5% Ausfallsrisiko plötzlich 100% und sorgte dafür, dass alle ausgefallenen Hypotheken auch ganz sicher ausgefallen bleiben werden. Plötzlich war aus dem netten Kartenhaus das man sich aufgeblasen hatte, die Luft vollständig raus. Und als man genau nachsah, stellte man fest, dass nicht einmal das Kartenspiel aus dem man das Kartenhaus aufbaute in Ordnung war.

Was die HRE dann wurde

Also saß die HRE plötzlich auf zillionen Papieren die nicht einmal das Risiko wert waren, das man ihnen zugebilligt hatte. Aus einem gigantischen Geschäft mit Hedge-Fonds war plötzlich alle Luft raus, und es blieb nicht einmal genug Staub übrig, um eine Prise davon zu nehmen.

Aber was macht man mit solch einer Katastrophe? Man macht das beste draus! Und zwar ein Geschäft!

Natürlich hatte man Milliarden verbrannt. Milliaden, die nun der Staat als Stütze in die Bank schießen muss, damit die Bank nicht pleite geht. Aber das verhindert ja nicht, mit dem ganzen Nichts, das man da angehäuft hat, auch noch weiterhin schlechte Geschäfte zu tätigen.

Und das geht so:

Die vielen vorher so hübsch gebündelten Säckchen mit den ganzen Bewertungen usw. waren ja noch da. In ihnen herrst zwar vollkommenes Vakuum, aber das Vakuum unterschied sich von Sack zu Sack!

Also wog man die Säcke, und je nachdem wieviel Staub noch drinnen war, häufte man die Säcke (die ja bereits für einen Haufen schlechter Geschäfte steht) aufeinander und verkaufte davon das, was noch irgendwo einen Abnehmer finden wollte. Das Risiko dieses Abnehmers war nämlich denkbar gering, denn den Schaden, den wird die HRE ja noch in den nächsten Jahren begleichen müssen!

Zurück blieb bei der HRE nur noch der absolute Ausschuss vom absoluten Ausschuss des absoluten Ausschuss. Alles, aber auch wirklich alles was man irgendwie verkaufen konnte, das wurde bereits veräußert und zu Gewinnen umgemünzt, von denen sich die Vorstände ihre Gehälter finanziert haben (und so einiges anderes).

Was die HRE jetzt ist

Heute stellt die HRE vor allem zwei Dinge dar:

  • Der übriggebliebene letzte Dreck aus dem Mülleimer der Banken.
  • Ein Unternehmen, das für all die Verluste aus den Hypothekengeschäften geradestehen muss.
In der gesamten HRE gibt neben diesem letzten Rest des Restmüll des Restmülls eigentlich nur noch einen einzigen wertvollen Bestandteil:

  • Die Angestellten, die Vorstandsetage natürlich ausgenommen

Warum die Verstaatlichung den Banken so wichtig ist

Natürlich würden die Banken niemals zugeben, dass die Verstaatlichung der HRE für sie extrem wichtig ist. Aber so ist es.

Die HRE hält nämlich all das Risiko zurück, das es aufgrund all der faulen Hypothekengeschäfte gibt. Wenn jemand also irgendwo klagt, oder irgendwelche Ansprüche machen kann, dann geht dies auf die Kappe der HRE. Und natürlich nicht auf die Kappe desjenigen, der der HRE vor kurzem noch den vielleicht noch etwas brauchbaren Restmüll vom Restmüll abgekauft hat!

Würde die HRE unter der Last der Schulden zusammenklappen, dann ist es aus mit den fetten Verdiensten in den anderen Banken. Dann schwappt die Welle der Kosten nämlich weiter, zu den Banken die jetzt noch einiges von diesem Doppel-Mist besitzen. Oder, wenn der Eigentümer doch noch die HRE war, zurück zu demjenigen, der es in die HRE gesteckt hat, weil ihm das Risiko zu groß war (eben weil das Risiko allgemein einfach untragbar gewesen war).

Und davor haben die Bänker natürlich Panik. Sie wissen, was dann auf sie zukommt.

Die Volkswirtschaftler wissen das auch. Wenn das nämlich passiert, dann klappen weitere Banken zusammen, weil die Unfähigkeit ihrer Vorstände offenbar wurde. Und so geht das weiter wie bei Domino-Day. Vielleicht überleben ein bis zwei Banken, bei denen der Vorstand in der Lage war das Risiko derart undurchsichtig zu verstecken, dass niemand auch nur auf den Dreh kommt wie man diese Banken ebenfalls ausweiden kann, aber das dürften weltweit nur 2 bis 3 Banken je Land sein. Der Rest hat gepennt, weil er sich auf seine dicken früheren Gewinne laufend einen runtergeholt hat statt die Hausaufgaben zu machen.

Hätte das irgendwer bei den Banken jemals getan - seine Hausaufgaben, und zwar ordentlich - das ganze Debakel hätte niemals passieren können. Dann wären die Verluste bei Hypothekengeschäften und die Hedge-Fonds niemals auch nur so gehypet worden, wie es war. Dann wäre all das heute nicht der Fall. Und dann hätte es niemals eine HRE gegeben.

Aber so liegt die Realität nicht. Die Realität ist eben grausam.

Wie man mit der HRE weiter glänzende Gewinne macht

Das Geld, das momentan in die HRE gesteckt wird, ist ja nicht notwendig, weil dort ein Ofen mit Geld geheizt wird oder so. Nein, das Geld ist das Geld, das sich die Banken im Vorfeld gespart hatten, indem sie ihren faulen Kredite an die HRE verhökerten. Jeder einzelne Euro der in der HRE jetzt versenkt wird, ist Reingewinn auf der anderen Seite. Und zwar schon längst, also vor Jahren, realisierter Reingewinn! Das ist das Geld, was in den Vorstadtvillen der Banken-Vorstände verbaut ist. Es ist das Geld, mit dem diese Leute auf Bankkosten ihre Partys in Übersee geschmissen haben. Das ist das Geld, das verprasst wurde für mehr oder weniger nicht notwendige Prunkbauten der Banken. Und das ist das Geld, aus dem sich die Vorstände in den letzten Jahren sehr großzügig und mehr noch bedient haben.

Aber dabei haben es die Banken nicht belassen! Sie hatten den Schrott an die HRE veräußert. Und jetzt haben sie die HRE nochmals ausgeplündert, um die Kosten zu senken. Tatsächlich aber haben sie sich noch verbliebene Brocken Dörrfleisch, eben nach der Sortierung durch die HRE, herausgepickt, und dabei das Risiko voll bei der HRE belassen. Lässt sich aus den Papieren noch irgendetwas herausholen, so sind diese Gewinne auf der Seite der Bank!

Natürlich wurde für diesen Schrott Geld an die HRE bezahlt. Aber wieviel bitte? Auch nur annähernd soviel, wie der eigentliche Schandensumfang? Mitnichten! Das Geld, das floss, ist ein Bruchteil eines Bruchteils vom Bruchteil (also ein dreifaches Nichts) verglichen damit, welchen Schaden man hätte haben können. Das lässt sich mit dem Zinseszins des Gewinns den man vorher schon gleich mehrfach wettmachen!

Fazit, selbst aus dem Schrott zieht man jetzt nochmals deutlich Gewinne auf Seiten der Banken.

Und wird die HRE verstaatlicht, bedeutet das nichts anderes, als dass man den Schrott nochmals extrem lukrativ gewinnbringend an den Staat verhökert hat.

Der Fehler in den Köpfen der Politiker

Unsere von allen guten Geistern verlassene Bundesregierung (nennt mir einen verbliebenen guten Geist in der momentanen Regierung, und wir wissen, wer als nächstes das Handtuch schmeißen wird) in ihrer unendlichen Dämlichkeit (womit ich ganz deutlich auf den führenden Kopf unserer Bundesregierung ziele, nein, ich habe sie nicht gewählt und musste auf das Klo kotzen gehen als ich hörte dass sie Bundeskanzler wird) wird das tun, was sie nicht tun darf:

Die HRE verstaatlichen.

Nicht dass das eigentlich der Fehler ist

Die HRE zu verstaatlichen ist nicht unbedingt ein Fehler. Volkswirtschaftlich gesehen ist das vermutlich ein absolut notwendiger Schritt.

Aber die Ungeheuerlichkeit besteht darin, dass die wirklich notwendigen Schritte nicht unternommen werden. Und die wären:

  • Rigoros in den Vorständen der Banken die solche Schrotteinlagen bei der HRE produziert haben wildern gehen. Also Köpfe kappen. Meinetwegen stecken wir sie zu irgendwelchen Terroristen in die Gefängnisse und sehen wer überlebt.
  • Die bereits ergangenen Gewinne aus den Geschäften zurückfordern und nachträglich enteignen, und zwar beginnend ganz oben bei den Banken bei den Leuten, die sich am meisten mit Geld bedient haben. Und wer es nicht rückzahlen kann der wandert nach seinem Tagessatz eben ebenso in den Knast. Irgendwelche schwulen schweißigen Raubkopierer werden sich ihnen schon annehmen.
  • Und diejenigen kleien Leute entschädigen, die auf die Schrottprodukte der Banken gesetzt haben, und sich jetzt vielleicht wundern, wo ihre an sich so als sicher gepriesene Rente geblieben ist.
Aber nein, das wird alles nicht geschehen. Und das kotzt mich wieder an.

Die Banken ziehen also selbst Geld aus dem Schrott, und kommen damit durch. Das ist nicht mehr Kapitalismus den Marx angeprangert hat, nein, das ist eigentlich schon pathologischer Wahnsinn. Zur Info: Wir sind hier keine Kapitalisten, sondern haben hier eine soziale Marktwirtschaft.

Was die Banken uns vorführen ist aber asozialer Marktradikalismus. Und zwar auch noch einer der übelsten Sorte.

Also ich wäre nicht traurig wenn man die HRE zusammenklappen ließe. Und damit alle anderen Banken weltweit.

Übrig blieben dann nur noch Banken wie die Volksbanken und Sparkassen. Und selbst denen sollte man die Vorstände nehmen, und diesen durch den Bundestag ersetzen (der dann nur noch Beamte zu den Banken delegiert).

Privatbanken dürften natürlich bleiben, aber sie müssten ihre Geschäfte über die staatlichen Strukturen abwickeln wenn sie miteinander handeln.

Eine Börse existiert danach natürlich weiterhin, aber bei Aktien müsste ein Nachschussgesetz her, d. h. eine Firma im Minus kann dann von den Aktionären Geld verlangen! (Damit der Kleine Mann kein Problem bekommt, würde dieses Geld mit den Aktienanteilen bezahlbar sein, schließlich gibt es einen Nennwert bei Aktien. Wer also nicht zuschießen kann dem kauft die Firma die Aktien zum Nennwert zurück, indem es mit dem gewünschten Geld verrechnet wird. Da man dann keine Aktien mehr besitzt muss man auch nicht mehr zuschießen.)

Vorstände müssten für Aktionen ihrer Firmen am Geldmarkt Vollhafter bleiben, bis ihre Taten am Aktienmarkt verjährt sind.

Und Risiko darf nicht mehr handelbar sein, nur noch versicherbar. Versicherungen rechnen nämlich richtig, da sie sonst plötzlich sehr schnell leere Kassen haben.

Wunschdenken. Reines Wunschdenken. Schließlich wartet auf einen Großteil unserer Bundestagsangehörigen ein bequemer Aufsichtsratssessel, nachdem sie ihre poltischer Laufbahn verlassen haben. Und woher, glaubt ihr wohl, kommt das Geld dafür? Genau, aus den Gewinnen, die der Staat nun als Loch bei der HRE stützt. Kein Schelm wer da an böses denkt.

Um es mal klar auszurücken:

Die HRE zu verstaatlichen ist indirekte Korruption eines Großteils unserer Bundestagsangehörigen die dafür stimmen.

Diejenigen, die dafür stimmen ohne mit einem Aufsichtsratsposten etc. gesegnet zu werden, muss man übrigens bedauern, denn sie sind offensichtlich zu dumm, das Spiel zu durchschauen.

-Tino, 2009-03-21