Meinung - Tinos Kolumne - Unmöglicherkeiten - Menschen

20070514: "Max"

Handy klingelt. Ich gehe ran.
Ich: "Hilbig"
Telefon: "Max, habe die Ehre!"
Schweigen.
Ich: "Äh, hier ist Valentin Hilbig, ich glaube Sie haben sich verwählt!"
Telefon (in vorwurfsvollem Tonfall): "Ja, das glaub ich auch" und klick.

"Was wal denn das?" (Zitat "Kentucky Fried Movie") Irgendwie habe ich den Eindruck, die dauernde Medienpräsenz lässt die Menschheit immer weiter verdummen, inzwischen sind sie nicht einmal mehr in der Lage, anständig zu telefonieren.

Merke:
  1. Wenn man sich verwählt hat dann sollte man sich entschuldigen dass man die andere Person fälschlich gestört hat.
  2. Wenn man sich einen "besonders originellen Spruch" für jemanden ausdenkt den man anrufen will, sollte man darauf achten, dass man entweder garantiert die richtige Telefonnummer hat oder tunlichst prüfen, ob die richtige Person dran ist, die den Spruch auch zu würdigen weis.
  3. Wenn man sich als Rüpel ohne Manieren outet sollte man zumindest mit unterdrückter Telefonnummer telefonieren.
Von der Stimme her war es jemand kurz nach dem Stimmbruch, also um die 20, und offensichtlich ein Vertreter der Gattung Mensch der bei der Übergabe des Hirns abwesend war, vermutlich um stattdessen ein Mädchen anzubaggern, die ihm einfach eine falsche Telefonnummer gab, um ihn endlich abzuwimmeln. Ich kann sie verstehen, denn heutzutage sollte eigentlich jeder Mensch bereits mit 10 Jahren wissen wie man anständig telefoniert, jedenfalls wenn er die Intelligenzschwelle von Weißbrot überschritten hat.

Leider ist für die Nutzung eines Handys kein Intelligenztest notwendig. Vielleicht bedeutet das, die Handys sind noch viel zu einfach zu benutzen, da - noch - jeder Idiot mit ihnen telefonieren kann.

Und leider sind schnelle Autos inzwischen für diese Schicht zu teuer. Man sollte für diese ein schnelles und geiles Auto auf den Markt bringen, das eine definitive Affinität zu Bäumen besitzt, damit Darwin eine bessere Chance hat solche Leute auszumendeln. Andererseits frage ich mich, ob dadurch die Intelligenz auf dem Planeten insgesamt steigen würde, denn jedes Mal stirbt ja auch ein Baum getreu dem Motto: Der Klügere gibt nach.

Halten wir es also mit Thomas von Aquin: Lasst uns heute noch ein Bäumchen pflanzen.

Zu meiner Verteidigung, da ich auch nicht gerade besonders höflich war:

  • Ich melde mich immer mit einer situationsgerechten Floskel, in diesem Fall nur mit meinem Nachnamen. Das ist guter Usus und nicht unhöflich, ich halte übertriebene Floskeln zur Begrüßung bevor ein Gespräch richtig begonnen hat für unangebracht. Es gibt nur wenige Situationen in denen ich davon abweiche, eine ist wenn die Meldung am Telefon vorgeschrieben oder sinnvoll ist (z. B. wenn ich als Hotline eingesetzt werde) oder wenn ich eine Funktion ausübe (wenn ich vor Ort bin und jemand von extern per Durchwahl reinruft nenne ich hinter meinem Namen den Kunden für den ich gerade tätig bin).
  • Ich war ob einer solch hirntoten Meldung die mir entgegenblies stark verdattert, vergaß deshalb jede weiter Begrüßung. Ich kramte erst einmal in meinem Gedächtnis, welcher Max das wohl sein könnte der mich hier mit solch einer schrägen Meldung beglückt. Es dauerte einfach 5 Sekunden bis die Stimmzuordnung negativ ausfiel und mir dämmerte, dass keiner der Maxe die ich kenne mich auf diesem Handy anrufen würden, da sie dessen Telefonnummer nicht kennen.
  • Der andere legte feige auf bevor sich die Chance zu einem echten Wortwechsel ergab. Also, wenn ich schon an's Telefon gehe, dann finde ich es ist nicht zu viel verlangt, wenn der Anrufer von mir erwartet, dass ich mir seine Entschuldigung anhöre, damit ich diese annehmen kann und somit der Höflichkeit Respekt gezollt wurde.
  • Vermutlich bin ich altmodisch und meine Erwartung geht inzwischen den Weg der Dinosaurier.