OpenOffice, oder weil schlecht geklaut halt immer noch schlecht bleibt

OpenOffice hat von Microsoft Office geklaut. Möchte das aber nicht so offensichtlich machen. Anders ist nicht zu erklären, wie hirntot einige Dinge implementiert sind.

Beispielsweise der Farbchooser. Mal abgesehen davon, dass die OOo-Entwickler offensichtlich farbenblind sind, dieser ist ja wohl das allerletzte das man in diesem Bereich jemals gesehen hat.

Bei mir wird\'s irgendwie so dunkel!

Bereits unter Windows 2(!) habe ich damals schon besseres gesehen, und merke, damals konnte man nur eine Handvoll EGA-Farben auswählen. (Von X11 das ich seit 1989 habe und das damals schon 256 Farben erlaubte möchte ich gar nicht erst anfangen.) Selbst auf dem C64 (Gem!) habe ich schon besseres gesehen.

Der einzige Computer eigentlich, den ich kenne, der das NICHT besser machte, war der ZX81. Das ist also jetzt 30 Jahre her. Hey OOo, wie lange dauert es noch, damit ihr in der jetzigen Zeit ankommt?

Worum geht es?

Unter Microsoft Office ist es leicht, alle Farben die man braucht auf eine Symbolleiste zu packen, so dass man sie schnell mal mit 1 Klick auf die Zelle anwenden kann. Mal abgesehen davon, dass die (zumindest von mir) meistgenutzten Farben in dem Farbchooser sind, kann man außerdem dort schnell und einfach eine Farbe hinzufügen wenn man sie nicht findet (Doppelklick).

Insgesamt finde ich den Microsoft-Farbwähler nicht besonders gelungen und wenig intuitiv. Aber er funktioniert und man kann schnell 100 verschiedene Zellen mit einer Farbe einfärben. Oder eben sich was basteln, mit dem man das auch mit den 5 meistgenutzten Farben hinbekommt. Also immer "Zelle anklicken, Farbe anklicken, Zelle anklicken, Farbe anklicken" usw. Ist zwar eine hirntote Arbeit, aber das geht wenigstens.

Nicht so aber mit OOo! Da die Entwickler ja nicht alles von Microsoft so offen klauen konnten, haben sie den Farbchooser nicht komplett von Microsoft übernommen. Damit aber wird das Teil vollkommen unbrauchbar. Um eine Hintergrundsfarbe zu ändern sind deshalb sage und Schreibe 2 Mausklicks und einmal genau Zielen angesagt. (Mit 2 Mausklicks und ohne genaues Zielen kann man bei Microsoft Hinter- und Vordergrundsfarbe ändern.) Das ist nicht nur extrem ermüdend, sondern auch noch ziemlich fehleranfällig (ich klicke so bei jedem 3. Mal komplett daneben).

Hätten sie nur für einen Pfifferling gedacht und nicht hirntot abgekupfert, wäre ihnen sicher aufgegangen, wie man es besser machen kann, ohne die Microsoft-Office-User zu verlieren. Was sie da aber geleistet haben, treibt mich nicht nur zu Microsoft Office zurück, es ist eine ziemliche Annoyance die sie so geschaffen haben. Nach meinem neuen Schulnotensystem ausgedrückt eine klare 11.

Wie ginge es besser?

Ach, das ist doch ziemlich einfach und naheliegend: Man halbiert die Klicks die bei Microsoft für den Vorgang notwendig sind. Also man ermöglicht es, mit 1 Klick die Vordergrunds- und Hintergrundsfarbe gleichzeitig zu wählen. (Das erschlägt bei mir mindestens 99% aller Farbwahlen.)

Dafür legt man den Hingergrunds-Chooser und den Vordergrunds-Chooser zusammen. Für verschiedene Vordergründe hat man (weiterhin) verschiedene Chooser. Damit fällt der Hintergrundschooser weg, ein Button weniger. Das ist einfach und naheliegend.

Der neue Chooser hat also normalerweise 2 Farben. Möchte man den Hintergrund (er "stackt" bei einigen Objekten) nicht ändern, dann bleibt er einfach transparent. Auch das ist einfach und naheliegend.

Man kann sich auch eigene Hintergrundschooser wieder selber bauen (für die verschiedenen Hintergrundsebenen), indem man den jeweiligen Vordergrund einfach auf transparent stellt (und für diesen Chooser blockiert, Kontextmenü rechte Maustaste). Irgendwie ist das alles sehr einfach und naheliegend. (Soviel zu "Uns gehen die Microsoft-Office-Verwender verloren wenn kein eigener Hintergrundschooser da ist".)

Es kann dann auch spezial-Chooser geben, die mehr als 2 Farben haben, z. B. für Gradienten. Oh wow, wie einfach und naheliegend!

Damit der Benutzer es einfacher hat, kann er die Hingerunds/Vordergrunds-Kombination in zusätzlichen Slots speichern (größere Buttons, über den Farbpaletten). Das geht zwar auch im Extras-Optionen-Menü, aber das muss auch direkt von der Buttonbar gehen (Kontextmenü per Rechtsklick auf den Slot, bei Mac eben Klick-Halten oder Option-Key oder wie das da geht). Wenn das nicht einfach und naheliegend ist weiß ich nicht.

Und diese Slots kann man dann als eigenen Button auf eine Buttonbar ziehen. Ja, natürlich, einfach und naheliegend!

Was ich nur nicht kapiere ist, warum die Entwickler von OOo über jetzt mindestens 2 Generationen dies doch so einfache und naheliegende Dingens nicht hinbekommen haben. Haben sie vor lauter Raffgier (Copy-Anfall von Microsoft Office) einfach nur das Denken vergessen oder ist das wirklich schon pathologisch?

Vorteile des echt naheliegenden Systems:

Man wählt normalerweise Vordergrundsfarbe und Hintergrundsfarbe zusammen aus. Das ist gut so, denn schwarz auf schwarz oder weiß auf weiß kommt irgendwie nicht gut. Da hilft nicht viel dass man die Vordergrundsfarbe auf "automatisch" stellen kann, das funktioniert nur, wenn man den maximalen Kontrast haben will, aber schon bei roter Schrift versagt es.

Außerdem spart das Klicks. Man kann immer 2 Dinge mit 1 Klick erledigen, ohne zu irgendeinem Makro greifen zu können. Durch Keyboard-Shortcuts wird das noch einfacher, meine 6 standard-Kombinationen Vordergrund/Hintergrund lege ich mir dann auf eigene Tasten (wieviele F-Keys hat so ein Keyboard? Ach ja, da war was).

Oh ja, natürlich, ich vergaß. Natürlich kann man das mit OOo ganz einfach erreichen. Man klickt nur hier, man klickt nur da, wird 2 Mal wahnsinnig und schon hat man erreicht was bequem auch mit 3 Klicks und einem Drag erledigt sein könnte, hätten die OOo-Entwickler nur für einen Pfifferling gedacht. Leute, das ist eine Grundfunktion, die muss jeder Abschmecker vom Klärwerk ohne Lesen eines Handbuchs intuitiv hinbekommen können.

Oh ja, natürlich, ich vergaß. OOo ist ja Open Source und wenn ich schon so genial bin, dann kann ich es ja selber in OOo einbauen und an den Upstream vermitteln. Geht's noch? Das ist doch totaller Kokolores solch ein Argument!

Oder um es anders zu sagen:

Wenn mir garantiert würde, dass die Entwickler diese Änderung von mir akzeptieren würden, dann würde ich mich tatsächlich hinsetzen und genau dieses Konzept für meinen Anwendungsfall umsetzen. Daraus würde eine Standard-Klasse für den Multi-Chooser von Farben, das Bookmark und Button-System.

Es muss mir aber vorher garantiert werden, dass meine Änderung den nächsten Bugfix und all die weiteren Versionen überlebt, d. h. in die Codebase von OOo übernommen werden und von den OOo-Entwicklern weitergepflegt werden.

Da dies aber garantiert niemals der Fall sein wird, hat es 0 Zweck dass ich mich in die OOo-Codebase einarbeite um dann die notwendigen Änderungen vorzunehmen. Denn jeder kleine Bugfix-Release würde bedeuten, ich muss eine Patch-Compile-Orgie vornehmen. Das ist vollkommener Quatsch.

Und nein, ich hoffe nicht. Entweder ich bekomme solch eine Garantie vorher, oder es ist vollkommen zwecklos. Eben eine Unmöglicherkeit.

-Tino, 2011-02-06
PS: Der Begriff "Abschmecker vom Klärwerk" stammt nicht von mir.