X-Box Live - Microsoft sperrt Konsolen aus
Siehe www.heise.de/newsticker/meldung/89931 Vorsicht: IANAL, aber das Szenario ist IMHO ein kleines Problem für MS:Szenario
- A und B kaufen eine X-Box.
- A modifiziert die Box.
- B macht sich einen Account bei X-Box-Live und schließt einen Vertrag mit Microsoft.
- A und B treffen sich. A lässt seine X-Box bei B weil sie sich später wieder treffen.
- B meldet die modifizierte X-Box von A über seinen Account bei X-Box-Live an.
- Die X-Box von A wird gesperrt.
- A holt seine X-Box wieder.
- A will sich bei X-Box-Live anmelden.
- A sieht, dass die X-Box nicht modifiziert sein darf.
- A baut die X-Box wieder in Originalzustand zurück.
- A versucht sich bei X-Box-Live anzumelden, seine X-Box ist aber gesperrt.
- A klagt gegen Microsoft wegen Zulassung seiner X-Box.
- Problem 1: Microsoft beruft sich darauf, dass die Box ja mal modifiziert war. Geht nicht, das wäre ein gravierender Eingriff in die Eigentumsrechte von A! Man kann nicht sagen "weil am Auto mal nicht StVO-zugelassene Reifen waren darf das Auto nie wieder auf die Straße".
- Problem 2: Microsoft beruft sich auf den Vertrag zwischen Anwender und X-Box-Live. Geht wieder nicht, der Vertag war mit B geschlossen und nicht mit A! Microsoft müsste den Schaden der entstanden ist dann auf B abwälzen, und kann nicht einfach darauf verweisen, dass B ja "den Schaden verursacht" hat.
- Problem 3: Microsoft hat gegen EU-Recht verstoßen. Das Blockieren der X-Box macht es notwendig, die X-Box zu erkennen. Die Erkennung der X-Box ist aber nur möglich, wenn sie identifiziert werden kann. Da die X-Box aber A gehört, wurden hier personenbezogene Daten(sic!) von Microsoft abgespeichert, ohne dass dies zulässig gewesen wäre. B kann Microsoft keine Erlaubnis dafür erteilen, auch nicht über einen Vertrag. Selbst wenn Microsoft damit B des Vertragsbruchs beschuldigen kann ist es weiterhin Microsoft, die gegen geltendes EU-Datenschutzrecht verstoßen haben, indem sie unzulässig die personenbezogenen Daten von A gespeichert haben.
Dieses Beispiel ist rein akademisch. Allerdings zeigt es, dass mit der Art und Weise wie Microsoft mit seinen Kunden umspringt nicht alles in Ordnung sein kann.
Sprich: Microsoft verhält sich nicht ordentlich, das Sperrverfahren hat einen Bug.
Wichtiger Hinweis:
Problem 3 bitte nicht übersehen. Selbst wenn man die X-Box an den Händler zurückgeben könnte (was wohl nicht passieren wird, weil sie schon einmal modifiziert war, obwohl das den Sachmangel bei Übergabe nicht besser macht, nämlich dass mit der gekauften X-Box eine Teilnahme an X-Box-Live nicht möglich ist), dann ändert das nichts an der Tatsache, dass Microsoft illegal personenbezogene Daten speichert.
Wer personenbezogene Daten speichert muss sicherstellen, dass er diese Daten speichern darf. Für den Beweis dieser Erlaubnis ist der speichernde zuständig (d. h. nicht ich muss beweisen dass er illegal gespeichert hat, er muss beweisen, dass er nicht illegal gespeichert hat). Das bedeutet, er muss im Zweifelsfall vom Eigentümer (nicht vom Besitzer!) der Daten eine Erlaubnis einholen. Wenn er nur die Erlaubnis vom Besitzer von Daten bekommt, verstößt man gegen die Rechte des Eigentümers der Daten! (Wäre das nicht so gäbe es keinen Datenschutz, man müsste nur einen Datenhändler zwischenschalten, er temporär in den Besitz beliebiger Daten käme.)