Peer to Peer
Überlassen wir das Netz einzelnen grossen mit zentralen Servern, oder holen wir uns die Basisdemokratie zurück?
Peer To Peer (abgekürzt als P2P) ist dazu der Schlüssel, und Anonymität ist der Weg.
Was P2P ist
P2P steht für die direkte Verbindung zwischen zwei Teilnehmern. Wobei "direkt" im Internet eben nicht im wörtlichen Sinn des Wortes zu verstehen ist:
- Eine direkte Verbindung würde bedeuten, es kommt ein Bagger und zieht eine direkte Datenleitung zwischen den zwei Firmen.
- Wenn man jemanden anruft, ist diese Verbindung schon nicht mehr wirklich direkt. Dazwischen stehen Vermittlungsstellen, und manchmal werden die Daten auf dem Datenweg komprimiert und verändert. Trotzdem spricht man hier von einer direkten Verbindung.
- Im Internet werden die Datenpakete von Routern aufgegriffen, manchmal verändert (getunnelt) und weitergeleitet. Die Verbindung zwischen den Routern werden oft per Telekommunikationsleitungen, manchmal wegen normalen Telefonverbindungen übermittelt. Auch hier spricht man von einer direkten Verbindung.
- Jetzt kommen die anonymen Netze, wie I2P, und stellen Router zur Verfügung, die wiederum Verbindungen schalten. Troztdem bleibt die Verbindung weiterhin direkt.
Eine direkte Verbindung zeichnet sich dadurch aus, dass diese ausschließlich durch die Teilnehmer initiiert wird, und die dazwischenliegenden Systeme keine Kontrolle über diese Verbindung ausüben, abgesehen von der reinen Vermittlung der Verbindung.
Was P2P nicht ist
P2P ist kein Freibrief dafür, Straftaten durchzuführen. Genauso wenig sind überwachte Strassen ein Freibrief dafür, Straftaten durchzuführen. Genauso wenig ist die Unverletzlichkeit der Privatsphäre und Wohnung ein Freibrief dafür, Straftaten durchzuführen.
Allerdings sorgt die Anonymität, die in die P2P-Netze jetzt Einzug hält, dafür, dass die P2P-Netze nicht mehr überwacht werden können. Es ist dann unmöglich, herauszufinden, wer mit wem kommuniziert und wer was anbietet und wer was abruft. Es ist für den Empfänger von Daten nicht möglich, herauszufinden, wer derjenige ist, der die Daten liefert (wenn es der Sender nicht möchte) und umgekehrt, kann der Sender nicht herausfinden, wer der Abrufer der Daten ist (wenn es der Abrufer nicht möchte).
P2P verhindert aber nicht, dass man diese Informationen austauscht. Und die momentan etablierten Netze bieten diese Anonymität ebenfalls nicht.
Die Zukunft von P2P
Die Zukunft von P2P liegt in den anonymen P2P-Netzen. Traurig an dieser Entwicklung ist, dass diese nicht natürlichen Ursprungs ist. Sie wird durch die dauernden Eingriffe und Verbote von Firmen erwirkt, die nicht verstanden haben, wie die Zukunft aussieht. Eine andere Erklärung für das Verhalten von Premjere (Verbot eines P2P-Netzes zum Austausch von Fernsehinhalten), Musik- und Filmindustrie (Verbot von Bittorrent-Trackern etc.) lässt sich nicht finden, ausser man würde unterstellen, diese Firmen würden daran interessiert sein, unsere Zukunft aufzuhalten. Da ich unerschütterlich an das Gute im Menschen glaube gehe ich lieber von Unfähigkeit denn von Absicht aus, weshalb ich eben nicht daran glaube, dass Firmen absichtlich daran arbeiten, dass wir keine Zukunft haben.
Wir, das ist die Menschheit. Die Menschheit zeichnet sich dadurch aus, was sich auch in unserem Deutschen Grundgesetz widerspiegelt, nämlich dass wir uns unerschütterlich für die Freiheit des Individuums einsetzen, soweit es nur möglich ist. Dabei gehen wir ebenfalls von der Selbstverantwortung des Individuums aus, also dass es verantwortlich handelt und sich dafür auch verantwortlich zeichnet.
Ich glaube fest daran, dass dies selbst für China gilt, ein Land, das aus unserer Sicht extrem restriktiv in die Freiheit des Individuums eingreift und das laufend Dissidenten hinrichtet. Ich sehe nämlich, dass sich die Entwicklung in China immer weiter ins positive entwickelt, während bei uns die Entwicklung eher rückläufig zu sein scheint.
So erscheint es nur. Wir stehen kurz davor, unsere Freiheit wieder zurückzuerobern. Die Entwicklung ist inzwischen so weit, dass man das offen aussprechen kann, denn sie ist nicht mehr aufzuhalten. Die anonymen Netzs ist bereits so stabil und unabhängig, dass man sie mit fairen Mitteln nicht mehr abwürgen kann. Damit ist gemeint, sofern man an unseren Grundgesetz festhält werden die anonymen Netze kommmen.
Daran ist nichts schlechtes. Es ist nur schlecht, dass dies nun verfrüht geschieht. Die Konzepte der Gefahrenabwehr sind noch nicht so weit entwickelt, das jetzt die Gefahr besteht, dass in den P2P-Netzen Wildwest entsteht. Das ist aber nicht der Fehler der P2P-Netze, sondern liegt in der Verantwortung derjenigen, die diese Entwicklung forciert haben, indem sie ihren Kontrollwahn über uns ausgeschüttet haben und massiv in die Freiheit des Netzes eingegriffen haben, indem sie Systeme verboten haben.
Es ist richtig, dass viele Bittorrent-Tracker verwendet wurden, um Filme zu tauschen. Es ist richtig, dass dies gegen den Willen derjenigen geschah, die die Verwertungsrechte dieser Filme haben. Bis heute ist mir aber unklar, wieso? Viele der getauschten Filme kann ich beispielsweise überhaupt nicht kaufen. Dazu kommt die oft schlechte Qualität in den Tauschbörsen.
Wie entsteht so ein Schaden? Im Gegenteil, hätten die Verwerter doch die Popularität der Filme ausgenutzt, und die Gelegenheit am Schopf gepackt, um die Filme an Leute wie mich zu verkaufen, die es schätzen, diese in hoher Qualität und mit einem guten Gewissen zu besitzen! Aber stattdessen prügeln sie lieber los, wie frustrierterte pupertierende, die aufgrund eines veränderten Hormonungleichgewichts gerade nicht im Einklang mit dieser Welt stehen.
Somit ist der Umfang der "Illegalität" der Tauschbörsen durchaus nicht erwiesen. Nichtdestotrotz wurde in erheblichem Umfang gegen sie vorgegangen. Diese Form des Eingriffs mag rechtlich einwandfrei sein, zeigt aber, dass die P2P-Netze von aussen bedroht sind, wenn sie populär werden. In den P2P-Netzen wurden eben nicht nur illegal und illegale Inhalte getauscht, sondern auch viel legales. Wenn die P2P-Netze nun wegen der illegalen Aktivitäten verboten werden, so ist das, als ob man die Prärie verbietet, weil in ihr der der Wilde Westen tobt, anstatt die dort lebenden Einheimischen davon zu überzeugen, dass ordentliche Strukturen für die Zivilisaton des Gebiets vorteilhafter wären.
Fazit war, dass sich jetzt "irgendwer" an der Art und Weise wie in diesen Bereich eingegriffen wurde gestört hat. Und diese Leute haben gezeigt, dass sie ihren Lebensraum besser verstehen als diejenigen, die ihn auf ihre Weise zu regeln versuchen. Der Nachteil ist, dass die Prärie jetzt noch etwas wilder und unabhängiger wird. Da dies aber für diejenigen, die die ihre Kontrolle aufrecht erhalten wollen, etwas überraschend kommt, besteht jetzt die Gefahr, dass dies auch gravierende Auswirungen ausserhalb dieses Bereichs haben wird.
Anonymes Bezahlen
Anonymes P2P bedroht somit die über Jahrzehnte aufgebauten Verwertungsstrukturen dieser Welt, darunter fallen nicht nur Film und Fernsehrechte, sondern vor allem auch Softwarepatente. Es ist wahrscheinlich, dass diese Strukturen in der heutigen Form nicht mehr lange überleben können.
Genauso wie man Datenübertragung anonymisieren kann, kann man nämlich auch den Geldfluss anonymisieren. Stellen wir uns folgendes vor:
- Jemand baut eine Art "Bank" auf die man Geld einzahlen kann. Man erhält dort eine Art Konto, auf dem man Geld lagern kann.
- Diese Bank erlaubt es, Überweisungen durchzuführen. Der Transfer geschieht über "Coins", von denen es 3 verschiedene gibt: Solche, die 1 EUR wert sind, solche die 1 Cent wert sind, solche die 1/100stel Cent wert sind.
- Jede Coin besteht aus einer Seriennummer und einer digitalen Unterschrift der ausgebenden Bank.
- Eine Überweisung besteht daraus, die Coins über einen anonymen Bezahlungskanal zu verschicken. Am Ende eines jeden Übertragungskanals befinden sich 2 Banken. Die Banken brauchen kein direktes Vertrauensverhältnis.
- Der Bezahlungskanal geht über Broker die die Coins mixen, indem sie niemals Coins weiterleiten, die mit der originalen Bezahlung übereinstimmen.
- Die empfangende Bank validiert die Coins. Der Broker vor der Bank stellt dabei sicher, dass die Bank selber nur Coins von Instituten erhält, denen sie vertraut. Das bedeutet, dass diese Institutionen direkt Geld austauschen.
- Die Transaktion wird akzeptiert, sobald der Gesamtbetrag einer Transaktion auf der anderen Seite angekommen ist.
- Bis die Transaktion bestätigt ist, sind die Coins der ausgebenden Bank in der Schwebe. Sobald die Transaktion erfolgreich ist, werden die Coins von der Bank freigegeben. Schlägt die Transaktion fehl, werden die Coins invalidiert.
- Invalide Coins sind also ein fester Bestandteil des Bezahlverfahrens. Deshalb muss man gefälschte Coins und wiederholte Coins auch nicht gesondert betrachten.
- Die Bank lebt über die Transaktionsgebühren, die Broker leben ebenfalls über die Transaktionsgebühren. Die Broker selber haben an dem Vorgang wenig Anteil und sind für die Sicherheit der Transaktion (die ja von Bank zu Bank geht) nicht relevant, denn sie bekommen ihren Anteil nur, wenn die Transaktion erfolgreich ist. Deshalb liegt die Gebühr pro Broker bei 1 Cent oder darunter.
Das Verfahren stellt sicher, dass die ausgebende Bank und die empfangende Bank nicht wissen, wer das Geld überwiesen hat oder wer das Geld erhalten hat. Es entspricht einer Überweisung, die anonym getätigt wurde. Die Spuren werden nur dann aufgezeichnet, wenn es die Kontoinhaber zulassen, sprich, wenn die Bezahlbestätigung aufgezeichnet wurde und gleichzeitig die Identität des Empfängers bekannt ist.
Letzteres muss aber nicht sein. Stellen wir uns ein Open Source Projekt vor, das, wie I2P, Bounties auslobt. Dieses Projekt ist in der Lage, ein anonymes Projektkonto zu eröffnen, auf das man Coins einzahlen kann. Von diesem Konto können dann die Bounties bezahlt werden, und zwar an anonyme Entwickler. Wichtig ist hier nur, dass etwas entwickelt wird. Durch die digitale Unterschrift ist auch klar, dass der anonyme Programmierer die Bounty haben darf. Also kann man diesem Entwickler das Geld bezahlen ohne zu wissen, wer er ist.
Angriffe auf das Verfahren habe ich noch nicht richtig betrachtet. Natürlich gibt es Reibungsverluste, aber weit über 99% der Transaktionen sollten erfolgreich ablaufen, das ist eine weit geringere Ausfallrate als bei Kreditkarten!
Die Zukunft der Verwerter
Diese Strukturen werden für etablierte Firmen fatal:
- Jeder kann einen Broker auf seinem Rechner starten, in der Hoffnung, damit Geld zu verdienen. Ein Broker ist allerdings nur dann erfolgreich, wenn er genug Transaktionen durchführt, um die Coins schnell umzusetzen. Dazu bedarf es einem "Startgroschen", damit ausreichend Coins zur Verfügung sind, um die Transaktionen zu starten.
- Jeder kann eine Firma gründen, die Coins ausgibt, und so "Konten" für ihre Kunden verwaltet. Ich glaube nicht einmal, dass dafür eine Banklizenz notwendig ist, weil die Zahlungen von und zu der Firma können über das Firmenkonto bei einer echten Bank erfolgen. Einzig und alleine ist das Problem der Vertrauenswürdigkeit der Firma.
- Und man kann dann end-to-end anonym bezahlen.
Die Verwerter haben so keinerlei Möglichkeit mehr, dagegen vorzugehen:
- Ich kann jemandem Geld dafür bezahlen, damit ich mir einen Film von einer Börse herunterlade. Dabei ist mir nicht klar, wen ich bezahle, und dem anderen ist unbekannt, wer ich bin.
- Ich kann diese Informationen beliebig an andere weiterleiten, wobei ich keine Probleme damit habe, dass ich mich in eine schlechte Position bringe.
Das Problem ist, dass so der Schwarzmarkt mit Informationen angeheizt wird. So kann man so beispielsweise Straftaten ohne nachvollziehbare Strukturen einkaufen, d. h. man kann Hollywood-Produktionen für einen Spottpreis an andere "verkaufen" ohne dass man jemals herauszufinden ist. Allerdings ist das kein Problem an sich, denn so mache ich mir schnell meinen Markt kaputt, denn jeder, der die Kopien bekommt, kann diese ja einfach so weitergeben, ohne Gefahr zu laufen, dass man ihn entdeckt. Es ändert also nichts an dem vorhandenen Anonymen P2P.
Anonymes Bezahlen aber macht es möglich, dass man damit ein Versandhaus bezahlt, ohne dass dieses herausfinden kann, wer denn die Bezahlung veranlasst hat. Beispielsweise kann es ja sein, dass ich jemandem einen Kühlschrank schenken will, aber ich will anonym bleiben. Und ich will nicht, dass jemand herausfinden kann, dass ich den Kühlschrank bezahlt habe. Mit unseren heutigem Banksystem garantiert das Bankgeheimnis das. Mit anonymem Bezahlverfahren garantiert das das Verfahren, es kann nicht ausgehebelt werden.
Deswegen ist das Bezahlverfahren nicht schädlich, es ist hilfreich.
Die Verwerter, so wie sie heute strukturiert sind, sind bedroht. Sie sind aus eigener Dummheit bedroht. Mit einem anonymen Bezahlverfahren aber könnte das anders sein:
- Wenn ich mir einen Film ansehen will, kann ich mir diesen herunterladen. Ich kann ihn mir sowieso herunterladen, also ist es kein nachteil, dass ich es evtl. kann, indem ich etwas dafür bezahle. Denn das tue ich sowieso schon, z. B. die Internet-Flatrate ist ja auch nicht kostenlos.
- Aber wenn mir das Werk gefallen hat, kann ich den Obulus dafür an den Urheber entrichten, von dem ich meine, dass er es wert ist. Freiwillig!
Natürlich ist es ungewöhnlich, so zu denken! Wie unglaublich, wenn die Fans von Akte-X an die Produktionsfirma Geld überweisen, damit diese eine NEUE Folge von Akte-X produzieren? Wie ungewöhnlich, wenn ich einem Autoren direkt Geld überweisen kann, weil mir sein Buch gefallen hat? Wie ungewöhnlich, wenn ich einer Webseite, die einen wertvollen Tipp hatte, 1 Cent(sic!) schicken kann, weil ich es gut fand, was da steht (und wenn 10000 andere das machen kommen schon 100 EUR zusammen).
Überlegen wir mal:
Was ist eigentlich so ungewöhnlich daran, so herum zu denken?
Nur unsere moderne Welt meint, das wäre anormal. Das ist es nicht, unsere moderne Denkweise ist unnatürlich.
Früher waren wir Jäger und Sammler. Wir gingen hinaus und sammelten Erdbeeren. Dann haben wir festgestellt, dass es besser geht, wenn wir die Erdbeeren kultivieren.
Sehen wir das aus der Sicht der Erdbeeren. Diese haben Früchte produziert und wurden gepflückt und erhielten dafür keinerlei Gegenleistung. Aber dann, plötzlich, hat es der Art geholfen, so selbstlos zu sein, denn plötzlich wurden sie im ganzen Wald ausgesäht.
Die Bezahlung hinterher ist also der natürliche Weg. Wer wertvoll ist, und das bestimmen einzig und alleine die Konsumenten, der wird überleben. Was wir aber dafür brauchen ist ein anonymes Bezahlsystem, das microbilligfähig ist, sprich Beträge unterhalb 1 Cent effizient übertragen kann. Ohne solch ein Bezahlsystem wird nämlich gar nichts überleben!
Die Zukunft der Verwerter liegt also in der Selbstlosigkeit. Und darinnen, dass man ihnen anonym Geld überweisen kann.
Denn wer würde einem Verwerter schon freiwillig Geld überweisen, wenn diese herausfinden können, wer man ist, und so wohlmöglich mit einem Anwaltsschreiben antworten. Denn genau das passiert heute mit ziemlicher Sicherheit, wenn man einem Filmverleih 10 Cent überweist mit dem Hinweis, dass man sich einen Film angesehen hat, den man von einer Tauschbörse heruntergeladen hat. Der Verleih wird entweder das Geld nicht verbuchen können, oder antworten, dass 10 Cent zu wenig sind, und man doch bitte noch 10 EUR hinterherüberweisen soll, mit 400 EUR Anwaltsgebühr, und 10000 EUR strafbewehrter Unterlassungserklärung.
So kann das nicht funktionieren.
Wichtiger Hinweis
Dies ist eine Meinung und von unserer Verfassung gedeckt.
Was ich hier beschreibe wird so kommen. Wir können es nicht verhindern. Nicht mehr.
-Tino