P2P
Underground Mirror
Dies ist die Idee eines Underground-Mirrors.
Idee
Der Underground-Mirror ist so etwas wie archive.org, nur frei von Zensur. Dieser Mirror hat folgende Aufgaben:
- Mirrorn von Seiten bevor sie zensiert wurden. Sprich, die Originale zu verbreiten, auch nachdem sie die Angriffe mit Rechtsanwälten nicht überlebt haben.
- Archivieren von Seiten, die nicht archiviert werden sollen. Das sind z. B. all die News-Archive die nach kurzer Zeit plötzlich kostenpflichtig werden. Dieser Weg, z. B. beschritten von Spiegel.de, führt geradezu mit Nachbrenner in den Abgrund. Die Vergangenheit ist etwas, das man nicht manipulieren darf. Somit darf man sie auch nicht mit Gebühren belegen.
- Archivieren von Seiten, die jemand für sich archivieren will, wobei das Zeug anonymisiert freigestellt wird. Dazu gehören vor allem Porno-Member-Seiten und ähnlicher Mist. Ja, ich finde es klasse, wenn ein Buttonklick genügt, und dieser Mist wird frei. Das ist nämlich mein Beitrag, das Netz sauberer zu machen. Je weniger mit dem Zeug verdient wird, desto besser. Außerdem bekommt man so Terabyteweise Pornokram frei Haus. (Wichtig: Das meiste Zeug das ich bisher fand ist im rechtlichen Sinne keine Pornographie, aber prüde Menschen bezeichnen es so.)
Das hört sich jetzt böse an. So ist das aber ganz und gar nicht gemeint.
Natürlich, betrachtet mit der Brille des Geistigen Eigentums (dessen Existenz ich aus gutem Grund bestreite) ist diese Sache verwerflich. Hier wird etwas erstellt, das dazu dient, Urheberrechtsverletzungen zu begehen.
Dem ist bei genauer Betrachung nicht so. Wie immer hat die Sache meherere Facetten.
- Natürlich kann das ganze "missbraucht" werden, in dem rechtlichen Sinne, um das Urheberrecht auszuhebeln. Tatsächlich aber geht es hier ausschließlich um die Verwertungsrechte! Der Urheber wird in sofern sogar gestärkt, als sein Werk hoffendlich unauslöschbar verbreitet wird, eben so lange, wie sich nur ein Mensch auf diesem Planeten dafür interessiert. Das Recht in letzter Zeit ist eine Perversion der Realität. Der Underground-Mirror stellt nur die Realitäten wirder richtig.
- Es dient nicht primär dazu, gegen das Gesetz zu verstoßen, sondern dazu, Zensur zu verhindern. Dafür archiviert es die Seiten, versioniert sie (wie archive.org), aber es kann nicht bedrängt werden und auch nicht unterdrückt. War eine Seite einmal im Netz, und wurde sie archiviert, dann hat niemand mehr die Möglichkeit, diese Tatsache zu ändern. Dies ist die primäre Funktion, eben die Befreiung von Information gegen Unterdrückung.
- Eine Supernova hinterlässt Spuren. Auch nach Jahrmillionen können wir sie nachweisen. Eine Webseite aber verschwindet, sang und klanglos. Das ist falsch. Während die Supernova vielleicht für uns gar keine Auswirkungen hat (außer einem Neutrinoschauer), kann die Webseite vielleicht interessante Informationen für zukünftige Generationen bieten. Aber sie ist ja nicht mehr vorhanden, denn jemand nahm sie vom Netz und sorgte dafür, dass alle Mirrors diese Daten löschten. Per rechtlichem Druck, oder aufgrund des Anstands. Dieses Verschwinden ist unnatürlich.
- Ansichten ändern sich. Was heute verboten oder pervers ist, kann morgen wichtig und gut sein. Eindringlich beschrieben hat dies George Orwell in seinem Roman 1984, nämlich wie man das Volk durch Kontrolle der Vergangenheit in den Griff bekommt: Was heute wahr ist ist morgen unwahr, und was heute unwahr ist, wird morgen wahr. Dagegen gibt es nur eine Möglichkeit: Dass wird den Underground-Mirror schaffen, sozusagen ein kollektives Unbewusstes.
- Löschen ist ein Akt des Aufräumens. Durch löschen sinkt die Entropie. Entropie kann aber nicht sinken. Somit erzeugt Zensur Chaos. Um das Chaos einzudämmen reicht es, zu verhindern, dass die Entropie sinken kann. Dadurch sorgt man vor, dass anderenortens nicht noch mehr Chaos entsteht. Weniger Chaos bedeutet mehr Frieden. Der Underground-Mirror ist ein Tool, das Frieden schafft.
Der Underground-Mirror ist also nur ein Tool um Memen zu sichern, die einem Menschen am Herzen liegen. Warum das so ist, ist egal. Es reicht aus, dass dies ein Mensch tun will. Und so lange ein Mensch auf diesem Planeten diese Memen vorhält sollen diese für jeden anderen Menschen zugänglich bleiben und sich dabei automatisch verbreiten, eben das, was Memen tun.
Das ist die Idee.
Wer darin etwas verwerfliches sieht hat die Mem-Theorie nicht verstanden.
Denn jeder kann auf dem URL, das gemirrort wurde, eine Gegendarstellung oder Korrektur veröffentlichen! Dies ist der richtige Weg. Die Leute werden die falsche Information dann freiwillig löschen wenn sie mit der neuen Information zufrieden sind, schließlich wollen sie nicht endlos viel Information auf der Festplatte rumliegen haben.
Das aber genau ist auch mein Verständnis der Dinge: Nicht Zensur bestimmt, sondern die Wahrheit setzt sich durch. Dazu muss man sie aber verbreiten! Unterdrückung der Unwahrheit erzeugt keine Wahrheit!
Der Underground-Mirror ist somit ein Tool, das der Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Wahrheit dient. Man kann es nicht dazu missbrauchen, zu unterdrücken, die Wahrheit zu manipulieren oder das die Unwahrheit zu verbreiten. Wer das dem Tool vorwirft, lebt in einem anderen Universum als ich.
Deshalb auch meine Schlussfolgerung, dass inzwischen an unseren Gesetzen etwas nicht mehr stimmt. Memen kann man nicht kontrollieren. Aber das Gesetz versucht dies. Das ist ein grundlegender Fehler.
Technischer Hintergrund
Das ganze wäre auf der Basis von I2P leicht zu realisieren. Es handelt sich um einen in Java geschriebenen verteilten Proxy. Über diesen geht man ganz normal ins Internet um zu surfen. Dabei archiviert er aber alles, was man ansurft, auf Festplatte.
Das entscheidende dabei ist die P2P-Funktion. Über diese kann man auf das Archiv anderer zugreifen und dieses abrufen, so wie andere auf das eigene Archiv zugreifen können. Dabei werden, wie bei Syndiemedia, die Daten in das jeweils andere Archive kopiert.
Hat man ein Archiv gefunden, das einen interessiert, kann man dieses automatisch auf "Mirror Mode" stellen, d. h. in Zukunft holt das Java automatisch die Daten auf die lokale Platte um die Sache zu beschleunigen. Dazu kommen noch hochwertige Funktionen, wie ein eingebauter "Image-Browser", sprich eine Seite, die die heruntergeladenen Daten in einem weiteren View präsentiert. So kann man dann beispielsweise die Bilder von der IMDB durch Drehen am Mausrad durchsehen anstelle dauernd rumklicken zu müssen. All dies ist aber eine rein lokale Funktion, gelöst durch Java-Scriblets.
Implementierung
Der Underground-Mirror wäre, wie Syndiemedia, ein standalone-Tool, das ein beliebiges Transportprotokoll verwendet, um sich mit anderen Underground-Mirrors zu verlinken.
Da es als Proxy eingesetz wird, kann es außerdem weitere Funktionen anbieten, wie z. B. die einfache Umschaltung auf anonymes Browsen etc.
Es besteht aus folgenden Komponenten:
- Proxy: Diesen spricht der Browser an.
- Link: "Routet" den Request. Wer Online-Banking betreiben will möchte ja nicht, dass dies gemirrort wird.
- Fetch: Dies ist die Komponente, die den Webzugriff durchführt. Das interessante ist, dass man auf diese Weise dem I2P-Netzwerk einen Outproxy zur Verfügung stellen könnte.
- Cache: Speichert und versioniert die Daten.
- Query: Verarbeitet Anfragen anderer Underground-Mirrors
- Crawl: Holt von sich aus Informationen, entweder via Outproxy oder via Query.
- View: Stellt per Java-Scriblets alternative "Views" von Inhalten zur Verfügung
- Jobs: Verwaltet die Hintergrundsaktivitäten.
Der Webseiten Mirror
Um die eigenen Seiten in den Underground-Mirror einzutragen reicht es, diese abzurufen und den Crawler-Modus zu aktivieren. Dadurch erfasst der Crawler automatisch die Seiten und packt sie in den Mirror.
Dies muss nicht der Seitenbesitzer machen, das geht prinzipiell mit jeder abrufbaren Seite, also auch mit Prono-Seiten oder Newsseiten. Eben alles, was jemals verfügbar war.
Scriptlets
Das Tool muss dafür einfach zu verwenden sein und per Scriptlets leicht zu erweitern. Die Idee hinter den Scriptlets ist, dass diese Information anders zusammenstellen, auf eine sichere Art und Weise, so dass jemand, der sich nicht auskennt, diese verwenden kann, ohne dass er Angst haben muss, dass etwas dabei schiefgeht.
Die Scriblets schreibt nämlich nicht unbedingt der normale Surfer, sondern jemand anderes im Netz. Man ruft also eine Seite ab, und bekommt die Meldung "dafür gibt es einen alternaiven View". Und diesen kann man dann aufrufen.
Stand der Dinge
Den Underground-Mirror gibt es noch nicht.
Aber je mehr ich angenervt werde, desto schneller entsteht so etwas. Also ihr habt die Wahl:
Lasst mich in Ruhe und ich mache nix. Oder nervt mich und ihr erlebt das Hallalli. Die dritte Alternative wäre, einen Killer auf mich anzusetzen. Dann bin ich zwar tot, aber dann werden andere es tun, vielleicht mir zum Gedenken, denn hier steht es geschrieben.
Ihr könnt also nur verlieren. Allein die Geschwindigkeit in der es entsteht, die bestimmt ihr.
Ich jedenfalls bin faul. Wenn mich nix bedrückt tue ich auch nix. Aber ich bin auch stur. Das Resultat ist das Ergebnis dessen, wenn eine unwiederstehliche Kraft (ihr) auf einen unverrückbaren Gegenstand (mich) trifft. Es wird ziemlich viel destruktive Energie frei, auf
beiden Seiten.
Und ja, was derzeit in der Politik hinsichtlich Netzüberwachung und -unterdrückung abläuft, das bedrückt mich bereits. Deshalb schreibe ich ja diesen Text.
-Tino